reden oder schweigen? (Coming Out)

Monika, Montag, 15. August 2005, 14:10 (vor 4422 Tagen) @ Happy

manchmal kann ein bischen provokation
auch nicht schaden.

Eben!


aber jetzt auch noch mit religion anzufangen, halte ich für unangebracht.
für mich klingt das wie antrainiert und auswendig gelernt. und vor allem
selbstgefällig.
wie schön und wie einfach, dass es dieses eine buch gibt in dem drinsteht,
wie es immer war und wie es sein soll, weil es göttlich so festgelegt ist.
leider kommen schwule, lesben und bisexuellle da nicht vor - naja, pech
gehabt.

Also, ich habe mit Religion nicht viel am Hut und wenn ich was von der Bibel weiß, dann dass sie mit Methapern arbeitet, und genauso wollte ich meinen Beitrag verstanden wissen.
Mit Selbstgefälligkeit hat das wenig zu tun. Selbstgefällig finde ich vielmehr die von mir kritisiert Einstellung "Weil ich bi bin, muss/darf ich fremdgehen."


wenn du einen hetero-partner liebst, musst du eben auch hetero werden -
wow.

wow, und wenn du einen bi-partner liebst, musst du eben auch bi werden??


was ist eigentlich liebe? mit ausnahme von siggi scheint ihr euch alle
einig zu sein: das ist etwas ganz großes, romantisch überhöhtes, bei dem
man sich dem partner öffnet, ihm alles sagt und alles über ihn weiß und
quasi mit ihm verschmilzt.
wie langweilig und wie unerreichbar: warum sollte mich ein partner noch
interessieren, wenn ich alles über ihn weiß, er sozusagen teil meiner
persönlichkeit ist. und wie sollte man das aushalten können? manchmal kann
man ja schon an dem eigenen gefühlswirrwar verzweifeln.

Jede/r definiert wohl Liebe etwas anders. Für mich hat Liebe z.B. wenig mit Romantik zu tun, bestenfalls in der Anfangszeit (würde ich dann aber auch eher als Verliebtheit bezeichnen).
Ehrlichkeit und Vertrauen finde ich da aber schon als zwei wesentliche Punkte. Und über jemanden etwas wissen, heißt doch nicht, dass er Teil meiner Persönlichkeit ist. Und wenn sich mein Partner mit öffnet, heißt das nicht, dass ich mit ihm verschmelzen muss. Und immer alles sagen, halte ich auch für eher gefährlich. Aber wesentliche Dinge (und dazu gehört die sex. Orientierung in einer Beziehung für mich sehr wohl), sollte man schon offen besprechen. Eher geht es für mich darum, den anderen mit all seinen Fehlern und Macken zu akzeptieren (wenn ich das kann/will). Wie ist er, wo steht er, wohin geht er, wie entwickelt er sich weiter (oder auch nicht) und was läuft da bei mir? Aber vielleicht haben gerade vor der fehlenden Akzeptanz (inkl. Konsequenzen) viele Angst.
Langweilig finde ich das jedenfalls nicht, eher spannend.

(... Kontaktanzeigen...) es ist einfach die realität, auch
wenn es anders besser wäre. eure hohen morlischen ansprüche werden diesen
menschen allerdings kaum weiterhelfen können.

Na, wie praktisch, dass es diese Kontaktanzeigen gibt, in denen drinsteht, wie es immer war und wie es immer sein soll... Für mich geht es nicht um Moral sondern darum, dass ich Menschen, von denen ich behaupte, sie zu lieben, nicht ständig verletze.
Weiterhelfen?? Das kann nur jede/r für sich. Die hier geäußerten Meinungen sind doch nur Denkanstöße und Diskussionspunkte. Und manchmal frage ich mich, ob diese Wichtigkeit der sex. Orientierung nicht ein gutes Stück mit einer ziemlichen Abhängigkeit von den Normen zusammenhängt.
Ich habe es - zugegebenermaßen aufgrund meiner Herkunftsfamilie - sehr leicht gehabt, mich nicht in eine Schublade zwängen zu lassen, das Thema hat mich - bis vor kurzem - nie besonders beschäftigt. Und ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass ich immer besonders "tolerante" PartnerInnen hatte, sondern dass ich immer klar gemacht habe, dass bi für mich nicht mit (erlaubter oder unerlaubter) Untreue zu tun hat. Ich jedenfalls kenne nur Paare, bei denen die Probleme mit der Untreue - und nicht mit dem Bi-sein an sich - begonnen haben.


lg
Monika


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