reden oder schweigen? (Coming Out)

Joan, Donnerstag, 18. August 2005, 19:18 (vor 4475 Tagen) @ Monika

was ist eigentlich liebe?

Jede/r definiert wohl Liebe etwas anders. Für mich hat Liebe z.B. wenig
mit Romantik zu tun, bestenfalls in der Anfangszeit (würde ich dann aber
auch eher als Verliebtheit bezeichnen).
Ehrlichkeit und Vertrauen finde ich da aber schon als zwei wesentliche
Punkte. Und über jemanden etwas wissen, heißt doch nicht, dass er Teil
meiner Persönlichkeit ist. Und wenn sich mein Partner mit öffnet, heißt
das nicht, dass ich mit ihm verschmelzen muss. Und immer alles sagen,
halte ich auch für eher gefährlich. Aber wesentliche Dinge (und dazu
gehört die sex. Orientierung in einer Beziehung für mich sehr wohl),
sollte man schon offen besprechen. Eher geht es für mich darum, den
anderen mit all seinen Fehlern und Macken zu akzeptieren (wenn ich das
kann/will). Wie ist er, wo steht er, wohin geht er, wie entwickelt er sich
weiter (oder auch nicht) und was läuft da bei mir? Aber vielleicht haben
gerade vor der fehlenden Akzeptanz (inkl. Konsequenzen) viele Angst.
Langweilig finde ich das jedenfalls nicht, eher spannend.

Ich habe ebenfall kaum ein romantisches Liebesbild in meinem Kopf. Ansonsten wäre ich kaum mit meinem LG zusammen. Mein LG und ich haben uns erst "gehasst", waren auf einander eifersüchtig wegen einer gemeinsamen Freundin. Aufgrund dieser gemeinsamen Freundin haben wir uns 6 Monate sporadisch gesehen und besser kennengelernt. Wir kamen gut miteinander aus - mehr nicht. Aus "Verzweiflung" sind wir dann zusammengekommen. ;-) Mein Schwarm und sein Objekt der Begierde sind zusammengekommen, wir haben also eher "einander getröstet". Das war jetzt vor bald 9 Jahren. ;-)
Ich sehe Freundschaft als eine wichtige Basis für eine Beziehung. Gerade neulich habe ich erst in einer "Frauenzeitschrift" gelesen, dass der Unterschied zwischen Beziehung und Freundschaft sei, dass man sich gnadenlos die Meinung geigen kann - in einer Freundschaft - ohne danach aufeinander wirklich böse zu sein. Dieses Wissen, diese "Sicherheit" finde ich toll: Ich kann meine Meinung sagen und werde trotzdem geliebt.
Ich denke das trifft auch ziemlich das, was Monika als "all seine Fehler und Macken akzeptieren" bezeichnet. Und auch in dem Punkt, dass ein grundlegendes Interesse an einander und an der jeweiligen Entwicklung vorhanden sein muss, finde ich besonders wichtig. Ich bin gerade wieder ein wenig "kriselig", weil mein LG mit einer anderen Frau über Dinge philosophiert, über die er mit mir nie philosophiert hat. Wir finden es allerdings beide sehr spannend jetzt herauszuarbeiten, woher dieses "Defizit" kommt, an diesem Punkt anzuknüpfen, Beziehungsmuster zu ergründen, einander immer und immer wieder aufs neue zu entdecken. Nur, dass man sich alles sagt, heißt noch lange nicht, dass man auch alles übereinander weiß. ;-)

Grüße
Joan


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