Coming-out und outing (Coming Out)

Peter, Montag, 05. Dezember 2005, 12:09 (vor 4313 Tagen) @ Don Q

Hallo allerseits,

unter coming-out wird normalerweise das entdecken der eigenen Bisexualität genannt. Das ist eine zunächst einmal höchstpersönliche Angelegenheit, die grundsätzlich nichts damit zu tun hat, sich irgendwann mal zu outen - freilich muß man das tun, den gerade Bisexualität kann man nicht allein ausleben :-P .

Wenn man seine Bisexualität ausleben will, muß man nolens-volens das gewohnte Milieu verlassen, und eines aufsuchen, wo das möglich ist. Das kann eine Selbsthilfe-Gruppe sein, ein Internet-Forum, eine Diskothek, ein Autobahnparkplatz usw. Und man kann dies im Verborgenen tun, unter Umständen sehr sehr lange, manche vielleicht sogar "lebenslänglich".

Etwas ganz anderes ist das "outen", das Bekenntnis der eigenen Bisexualität im "normalen" Umfeld der Freunde und Verwandten, der Kollegen und Kameraden - und dem Lebensgefährten.

Das ist eine ganz andere Geschichte.

Nach etwa 15 Jahren gelebter Bisexualität ist meine Haltung dazu diese:

Ich ergreife die Initiative zum outen dann, wenn der Gegenüber mir persönlich wichtig ist, oder wichtig werden könnte. So geschieht dies regelmässig im Rahmen von beginnenden Freundschaften - indessen ist an so einem outing auch noch nie eine Freundschaft gescheitert.

Ich oute mich selbstverständlich auch unter sexuell offenen Menschen - unter denen ist "bi" nur eine Variante von vielen. Entweder meine Gegenüber sind auch bi, oder bi ist aus irgendeinem Grunde ein Thema, oder es wird mit einem Achselzucken zum Nächsten TOP übergegangen.

Jederzeit outen würde ich mich in einer beginnenden Beziehung - in der Situation des sich-verliebens. Eine Beziehung, in der meine Bisexualität unterdrückt werden müsste, würde ich nicht eingehen wollen - diesbezüglich ist mein Entschluß "felsenfest".

Ansonsten richte ich mich nach der Opportunität: beileibe binde ich meine Bisexualität nicht jedwedem auf die Nase, auch dann nicht, wenn über sexuelle Themen gesprochen wird. Wird Bisexualität ein ernsthaftes Thema, dann verleugne ich meine eigene Bisexualität nicht, ohne daraus ein großes Aufhebens zu machen. Dies tue ich indessen nicht immer. Es gibt Kreise, in denen man sich der Ablehnung sicher sein kann. Diesen gegenüber oute ich mich nicht, es sei denn "der Not gehorchend und nicht der eigenen Tugend". Unsinnige Diskussionen bringen nämlich nichts.

Peter


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