Eine kleine Geschichte (Coming Out)

maddoggde, Mittwoch, 15. November 2006, 23:54 (vor 4026 Tagen)

Es war einmal ein Sascha. Und der war auf der Suche nach dem Glück. Aber das Glück ging verschlungene Wege: Bog es nach links ab, dann ging der Sascha nach rechts. Ging es aber nach rechts, dann war Sascha schon wieder auf der anderen Seite. So ging das lange Jahre, die von viel Verwirrung gezeichnet waren, ganz besonders, wenn der Sascha und sein Glück mal wieder ganz weit voneinander entfernt waren. Manchmal aber, kamen sie sich ganz ganz nah, der Sascha und sein Glück. Dann wurde es dem Sascha ganz warm ums Herz.
In solchen Momenten kam es vor, daß der Sascha meinte, er wüßte nun endlich, wie er das Glück auch festhalten kann. Aber leider hat er wohl nicht gut genug beobachtet, denn es war noch ein anderes Glück in der Nähe. Das jedoch konnte der Sascha nicht so richtig sehen, denn wie es der Teufel will, hatte er immer genau dann, wenn sein Glück schon zum Greifen nahe war, die verkehrte Brille auf der Nase.
Diese Brille war wirklich ein bemerkenswert modisches Exemplar. Alle bewunderten den Sascha für seinen guten Geschmack und machten ihm Komplimente und so setzte er sie immer auf, wenn es ihm warm ums Herz war. Der böse Optiker, der ihm die Brille gemacht hatte, sagte immer wieder zu ihm: Setz sie einfach auf, dann findest Du Dein Glück ganz von allein.
Aber wie gesagt: der Optiker war böse. Und deshalb baute er dem Sascha in seiner Durchtriebenheit die falschen Linsen in die Brille ein. Diese Linsen waren von der Art, daß man mit ihnen immer nur das fremde Glück erkennen konnte. Das eigene große Glück aber, machte die Brille unsichtbar. Und so lief der arme Sascha lange lange Zeit mit der bösen Brille auf der Nase durch sein Leben und verpaßte sein Glück immer wieder um Haaresbreite. Es war zum aus der Haut fahren und die Zeit der Suche dauerte länger und länger - 26 zähe Jahre lang.
Da erschien dem Sascha eines Tages eine gute Fee. Sie hatte ihn schon eine Weile beobachtet und konnte aus ihm einfach nicht schlau werden. Da stand es sein Glück, direkt vor seiner Nase, aber es schien, als wollte er es einfach nicht bemerken. Das muß ich mir einmal aus der Nähe anschauen, sagte sich die gute Fee schließlich und schlich sich ganz nah an den Sascha heran. Leider konnte er sie aber nicht sehen, denn der böse Optiker hatte die Brille so gebaut, daß sie nicht nur das eigene Glück, sondern auch die guten Geister ganz und gar unsichtbar machte.
Aber die Fee wußte von den gemeinen Machenschaften des Optikers und so erkannte sie aus der Nähe sofort, was dieser Fiesling da wieder angerichtet hatte.
Ganz behutsam und langsam nahm sie dem Sascha seine hübsche Brille von der Nase, als er gerade einmal eingeschlafen war und tauschte die bösen rosaroten Linsen durch gute Linsen aus. Sie schillerten in allen Regenbogenfarben und endlich hatte der Sascha zu seiner wunderschönen Brille auch die passenden Linsen bekommen. Als er die Augen aufschlug, war die Welt nicht mehr in das nebulöse Rosarot getaucht, von dem er dachte, daß es die einzige Farbe auf der ganzen weiten Welt sei. Wie bunt und hell wurde es auf einmal um ihn herum. Er konnte seine Freude gar nicht in Worte fassen, so wunderbar neu und frisch war alles, als hätte ein warmer Sommerwind alles verzaubert.
Von heute an wollte er nie wieder eine andere Brille aufsetzen; und sieh da, gar nicht so weit weg von sich konnte er es nun ganz deutlich erkennen sein Glück. Es war nur eine kleine Wegstrecke entfernt und sah genau so aus, wie er sich sein Glück immer vorgestellt hatte. Und diesmal, so schien es, wollte es auch ein wenig auf ihn warten. Das Glück war nämlich schon beinahe etwas eifersüchtig geworden, weil es der Sascha immer wieder so allein an in der Landschaft stehen ließ. Aber es hatte die neuen Linsen in Saschas Brille bemerkt und so beschloß es, in der Hoffnung sein Besitzer habe nun endlich die richtigen Linsen gefunden, etwas langsamer seine Bahnen zu ziehen und an jeder Kreuzung der verschiedenen Glückswege einen Moment stehenzubleiben, damit der Sascha es nicht aus den Augen verlor.

Wünschen wir also dem Sascha, daß er sein Glück endlich einholen und treffen kann, damit er vor lauter Verwirrung nicht noch in die falsche Richtung läuft und sich den Fuß verstaucht oder in eine Schlucht fällt. Aber kann man mit einer so guten Brille überhaupt noch an seinem Glück vorbeilaufen? Nein...auf gar keinen Fall!

Wer nun immer noch nicht schlauer geworden ist und beim Lesen vielleicht auch bemerkt hat, daß er die falsche Brille auf der Nase trägt, der sollte sich auf den Weg zum Schloß der guten Fee machen. Sie weiß bestimmt einen Rat. Natürlich kann auch die beste Fee nicht alle Sorgen und Ängste mit ihren Regenbogenlinsen heilen. Aber sie kennt noch viele andere guten Feen, die wundertätige Linsen für jede erdenkliche Art von Glück in ihren Schlössern bereithalten. Und als freundliche Nachbarin, wird es sich die Fee nicht nehmen lassen, die Menschen, die keine Regenbogenlinsen brauchen, sondern eben irgendwelche anderen Zaubergläser, persönlich zu ihren Schwestern in den anderen Schlössern zu führen...(Ganz nebenbei sei hier noch angemerkt, daß es nicht nur Feen sind, die sich um die Herstellung der richtigen Brillengläser kümmern, sondern auch ganz viele gute Zauberer...zusammen sind es fast so viele, wie es Menschen auf dieser Erde gibt und sie alle sind immer sofort zur Stelle, wenn einem die Brille einmal herunterfällt und zerspringt oder man sich versehentlich draufgesetzt hat.

Wenn Du wissen willst, wo Saschas gute Fee zu finden ist, schau doch einmal hier nach: http://bine.bi.org/
Vieles was Du wissen möchtest wird Dir dort bestimmt erklärt werden...


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