Partner bi, Gefühlschaos (Bi-Gruppen)

chopin, Freitag, 19. Juni 2009, 14:25 (vor 3075 Tagen) @ Allegra

Hallo Allegra,

Ooops, das ist jetzt ein sehr langes Posting. Ich versuche mal drauf zu antworten ... :-)

Ja, so erlebe ich es auch. Eine Beziehung bedeutet für mich die exklusive
physische und emotionale Hinwendung zu einem Partner. Da ich Hingabe als
das intimste Geschenk erlebe, das ein Mensch einem anderen machen kann.

Ja, Du empfindest so. Punkt ! (keine Wertung ... )
Für mich ist es zur Zeit sehr schwierig eine Balance zu finden. Sie will eigentlich absolute (sexuelle) Treue ich habe das Bedürfniss nach weiteren durch aus tief gehenden emotionalen und sexuellen Kontakten.

Ich kann deses "Geschenk" mehreren geben ohne dem einzelnen Menschen untreu zu sein. Für mich heißt Treue zu dem einzelnen Menschen zu stehen, ihm/ihr bei zu stehen und geistig und seelich nahe zu sein.
In meiner Definition bin ich meiner Frau UND meinem Freund treu.

In meiner tantrischen Praxis war ich mit vielen Menschen schon sehr intim und damit meine ich nicht nur sexuell. Zum Teil waren die Begegnungen sehr erfüllend für die Zeit des Zusammenseins und darüber hinaus. Und diese Erfahrungen haben meinen Horizont stark erweitert, Erfahrungen die ich in die Partnerschaft mit einbringe(n möchte).
Trotzdem fühle ich eine tiefere Verbundenheit mit meiner Frau auch wenn ich Liebe und Sexualität mit anderen teile.

Ja und genau hier liegt der mögliche Konflikt, den wir zur Zeit in Gesprächen aufzulösen versuchen ...
Vielleicht gibt es auch keine Lösung wenn es zwei nicht mit einander vereinbare Lebenskonzepte sind ... dann ist vielleicht eine Trennung für beide das Beste ... auch oder trotz man sich liebt.

Darf ich vorsichtig fragen, warum es für Dich so schwer ist, einer
Beziehung zuliebe auf den Kontakt zum anderen Geschlecht zu verzichten?

Du darfst auch unvorsichtig fragen ... ;-)

Vielleicht ... und da bin ich ganz ehrlich ... ist meine Liebe nicht 'groß genug' um darauf zu verzichten ... aber wie mißt man die Größe der Liebe ???
Ich könnte auch die Gegenfrage stellen: Warum ist Liebe des/der Anderen nicht groß genug um mir diese andere Liebe zu gönnen. ...
Wohlgemerkt ich könnte ... , die Frage ist so oder so irgendwas zwischen ungerecht und gemein.
Vielleicht will ich nicht verzichten weil ich nicht weiß was ich für diesen Verzicht wirklich bekomme ???
Letztendlich muß ich / müßen wir uns in Verzicht üben ??? Ist das nicht auch so eine kirchliche Doktrin ?
Ich liebe meinen Freund seelich wie körperlich. Ich fühle mich wohl, runder, vollständiger mehr in meiner Mitte wenn ich beides habe im Körperlichen wie im Seelischen.
Zur Zeit bin ich noch zu keinem Ergebnis gekommen, wenn ich vor der Entscheidung stünde: 'Er oder Sie' ...

Obwohl es oft geschildert wird, dass
Bisexuelle mehrere "Beziehungen" bzw. "sexuelle Kontakte" zugleich haben,
kann ich den Zusammenhang zur Polygamität nicht ganz erkennen. Ich denke
Monogamie bzw. Bigamie ist eine Sache der persönlichen Einstellung,
unabhängig von der sexuellen Identität. Ich meine, auch ein
Heterosexueller könnte eine offene Beziehung leben wollen bzw. auf
sexuellen Kontakt außerhalb der Beziehung nicht verzichten wollen. Warum
tendiert also ein Bisexueller zu offenen Beziehungsformen? Ist es, weil er
auf beide Geschlechter reagiert und daher mehr Reizen ausgesetzt ist oder
ist es vielleicht die Angst bzw. Aversion vor zuviel bzw. ausschließlicher
Nähe zu einem Partner?

Du hast recht, Bisexualität impliziert nicht automatisch Polygamie bzw. Polyamorie bzw. offene Beziehung.
Sicherlich kann ich den 'Drang nach Mann' auch sublimieren ... z.B. in einer intensiven aber sexlosen Freundschaft zu einem Mann ... oder in Meditation ... oder Sport ... oder was auch immer.
Ja, ich weiß, dass ich sowohl weiblich als auch männliche Anteile in mir habe und ich weiß, dass ich mir alleine genügen kann.
Mit diesen Themen arbeiten wir auch im Tantra. Aber noch bin ich nicht erleuchtet und noch will ich Körperlichkeit.
Es gibt auch Bisexuelle die sind nicht polyamor, d.h. 'vielliebend'. Die haben halt Sex mit dem eigenen Geschlecht, können sich aber nur in das andere Geschlecht verlieben. Ich kenne zumindest etliche Männer denen das so geht.
Ich habe mich nunmal auch in einen Mann verliebt und will diese Liebe auch leben.
Es gibt auch Heteros, die haben Aussenbeziehungen, sexuelle und emotionale, offene oder heimliche.
Ich könnte mir es auch sehr einfach machen und alles heimlich ausleben. Mein Beruf läßt mir sehr viele Frreiheiten, ich bin oft unterwegs, öfters über Nacht weg und ab und an auch über das Wochenende.
Aber ich will nicht heimlich lieben !! Ich will darüber offen sprechen können, mich mitteilen können und ja ich will auch eine offene Beziehung.

Das ist meine persönliche Entscheidung. Die war nicht von heute auf morgen da, das hat sich im Laufe der Zeit entwickelt.

Ich glaube nicht, das Bisexuelle per se Poly-Was-auch-immer-sind oder offener für 'offene Beziehung'. Ich denke die Tatsache, dass viele offen lebenden Bisexuellen zwei oder mehr Beziehungen leben ist eher darin begründet, dass die aktive Auseinandersetzung miot der eigenen Bisexualität auch zu einer Hinterfragung des eigenen, "klassischen" Beziehungsmodells führt.
Ein zweiter Aspekt dürfte auch der sein, dass sich in Foren wie Bine und anderswo genau jene Leute stärker engagieren.
Von den 'heimlichen' Bis liest man/frau halt nix ...

Chopin, wie warst Du, bevor Du Deine Bisexualität entdeckt hast?

Heute bin ich 50, meinen ersten Sex mit nem Mann hatte ich mit 26 ... davor hatte ich mich nicht getraut (war sehr schüchtern :-( ).

Zwischen meinen zwei Ehen hatte ich mehrere sexuelle Kontakte zu Männern, aber keine Beziehung mit Männern.
Offen bisexuell lebe ich seit ca. 5 Jahren. D.h. seit dieser Zeit weiß es meine Frau und einige wenige sehr gute Freunde.

Schon immer offen für den "offenen Beziehungsgedanken" oder besonders "liberal"?

Ich war schon immer sehr liberal, habe das aber lange Zeit nicht für mich in Anspruch genommen.

Vielleicht hat Dein Bedürfnis nach einer bigamen Beziehungsform ja mit
Deiner Bisexualität gar nichts zu tun, obwohl ich natürlich schon oft
gelesen habe, dass Bisexuelle tendenziell BEIDES brauchen, was natürlich
einen sehr toleranten oder weiteren bisexuellen Partner erfordert.

Kann schon sein, ist mir aber letztendlich egal. Jetzt ist es so, ich bin bi und habe zwei Beziehungen.

Wie sieht Eure Beziehung - aus der Perspektive Deiner Frau - heute aus?
Hat sie sich an den Gedanken gewöhnt, dass Du BEIDES brauchst? Fühlt sie
sich nicht zurück gesetzt?

Ich würde sagen das schwankt. Manchmal verabschiedet sie mich sehr liebevoll wenn ich über's WE zu meinem Freund fahre, wünscht mir ein schönes Wochende und wir tauschen dann in dieser Zeit auch SMS aus.
Manchmal findet sie es einfach nur zum kotzen, dass ich einen anderen Mann f**** :-(

Sie liebt mich und akzeptiert, dass ich es brauche ... aber lieber wäre ihr, wenn wir ein "normales Paar" wären.


Kämst Du den umgekehrt damit klar, wenn Deine Frau einen Lover hätte -
irgend etwas, das ihr die nun fehlende Aufmerksamkeit durch Dich ersetzt?

Ja, ich komme damit klar, sie hat einen Lover ... ist zwar eine Fernbeziehung, sie sieht ihn sehr selten aber sie sind regelmäßig in Kontakt.
Und ich gönne ihr jede Begegnung mit ihm und weiß auch wie es sich anfühlt wenn die Partnerin bei einem andeen ist ...

Ich könnte mir vorstellen, dass bei Euch eine Art "Ungleichgewicht"
entstanden ist, dadurch, dass Du weitere Facetten Deines intimen Selbst
ohne sie auslebst, Deine Frau aber so bleibt, wie sie ist?

Ja, da hast Du recht. So ist es ... aber wir arbeiten dran und sind im Gespräch.

Du hast eine
wirklich tolle Frau - ich persönlich wüsste nicht, ob ich das so
wegstecken könnte - einfach weil für mich körperliche und emotionale Treue
eine ausschließliche Sache sind.

Danke, ich bin ihr auch sehr dankbar.
Und sie steckt es nicht (mehr) weg, sondern redet mit mir darüber.

Aber wo endet
Freundschaft und wo beginnen die Gefühle?

Für mich gibt es nur Freundschaft mit Gefühl ansonsten ist es eine Bekanntschaft.

Diese Frage könnte mir ja nur
mein Freund beantworten - ich habe einfach festgestellt, dass ihm die
Freundschaft zu diesem Mann,

Gönne sie ihm !
So wenig Männer haben eine WIRKLICHE Freundschaft. Und Männer brauchen Männer ganz dringend !

Es ist nur eine Idee, aber liegt es daran, dass Bisexuelle vielleicht
besonders "liebesbedürftig" und "kontaktfreudig" sind?

Nö, muß nicht sein. Ich kann auch ein Kontaktmuffel sein.

Manchmal habe ich
das Gefühl, dass Bisexualität zwar in jedem Menschen verankert ist - dass
aber nicht alle das leben?

So ist es !!!!
Unsere bevorzugte monogame Lebensform ist eher gesellschaftlich induziert und ... Achtung ! Lieblingsthema ! ... auch ganz im Sinne der Kirche.
Die Kirche und der Staat können keine wirklich freien Menschen als Gemeindemitglieder/Bürger gebrauchen.

Ich gebe auch erotisch/tantrische Massagen für Männer und mir bricht es oft fast das Herz wenn ich mitansehe wie hungrig bisexuelle Männer nach Berührung durch einen Mann sind. Wenn ich spüre wie sehr sie darunter leiden das nicht offen leben zu können weil sie Angst haben sich ihrer Partnerin zu offenbaren aus Angst verlassen zu werden.

--- schnipp / schnapp ---
---- Teil zwei folgt in nächstem Posting ----


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