Hallo, ich möchte mich mal vorstellen (Coming Out)

Sakina, Samstag, 23. Januar 2010, 21:46 (vor 2800 Tagen)
bearbeitet von Sakina, Donnerstag, 18. Februar 2010, 18:56

Hallo, ich heiße Sakina, bin 27 Jahre alt und komme aus Frankfurt.
Ich weiß noch nicht sehr lange, dass ich bisexuell bin. Daher fällt mir auch keine konkrete Frage ein, sondern ich erzähle einfach mal so was von mir. Ich denke mal, mein Beitrag passt am besten in die o.g. Kategorie, da es auch sehr um das Thema "Coming In" geht.
Als Jugendliche und auch noch vor ein paar Jahren hatte ich nur mit Männern Beziehungen, habe aber manchmal andere Mädels bzw. Frauen kennen gelernt, die verwirrende und merkwürdige Gefühle in mir ausgelöst haben. (So habe ich es damals erlebt.) Ich konnte das überhaupt nicht einordnen.
Da ich bezüglich solcher Themen aus einem konservativen Elternhaus komme, war dies ein Tabu-Thema. Ich hatte so eine Vermutung, dass ich (auch) auf Frauen stehe, aber durch die Atmosphäre zu Hause habe ich versucht alles zu verdrängen um in die Norm zu passen. Mit ca. 17 Jahren hätte ich einen Ansprechpartner gebraucht, aber den hatte ich nicht. Meine Mutter und mein Stiefvater haben sich daher gewundert, als ich mich für den Film "Two girls in love" sehr interessiert habe (ich auch).
Von diesem Zeitpunkt an hat sich mein Interesse an Frauen verstärkt (oder selbstständig gemacht?) - ich habe es kaum noch aus dem Kopf bekommen. Da ich aber "normal" leben wollte, weil ich mich ja niemandem anvertrauen konnte, habe ich diese Gedanken und Gefühle verdrängt. Es wäre auch sehr schwierig gewesen, die Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen, weil sie mich ja so sehr verwirrt haben.
Wenn ich andere Frauen toll fand, habe ich mit irgendwelchen Männern was angefangen, was natürlich über kurz oder lang in die Hose ging. In der anderen Hinsicht hat es "auch nichts gebracht", ich habe die Frauen nämlich nicht aus dem Kopf bekommen. Es gab auch den einen oder anderen Flirt, mehr aber nicht.
Wie ihr merkt, war das alles ein ziemliches Wirrwarr.
Mit 24 musste ich mir dann schließlich meine lesbische Neigung (oder wie man das nennen soll) eingestehen, weil ich mich damals Hals über Kopf in eine andere Frau verliebt habe - mit Herzklopfen, weichen Knien und Schmetterlingen im Bauch. Meine Gefühle für diese Frau waren so stark, dass ich dachte, ich sei lesbisch. Da diese Frau "stock-hetero" ist, konnte sich leider nicht mehr entwickeln. Aber letztendlich ist daraus mein "Coming In" geworden, was ich nach dessen Verarbeitung als sehr befreiend empfunden habe. Dadurch habe ich damals auch ein ganz starkes Bedürfnis entwickelt endlich auszubrechen und dieses Thema in mein Leben zu integrieren.
Ich erkundete die Frankfurter Homo-Szene (ich hatte damals schon lange eine eigene Wohnung, konnte mein eigenes Ding machen) und machte dabei verschiedene Erfahrungen - auch, dass viele Frauen, die schon lange offen lesbisch leben, "spätgeouteten" Frauen gegenüber intolerant und ausgrenzend sind.
Anfang 2008 hatte ich dann zum ersten Mal eine Beziehung mit einer Frau - und dachte, ich brauche nie wieder einen Mann. Die Beziehung hielt aus anderen Gründen leider nur einige Monate. Danach war ich noch länger in der Homo-Szene unterwegs um erstmal Kontakte zu knüpfen, was sich wegen o.g. Gründen schwierig gestaltete.
Ein paar Monate später hatte ich dann unerwartet Interesse an einem Mann. Ich dachte mir: "Muss ich das jetzt verstehen???"
Seitdem ist es so ein Wechselspiel. Mal fühle ich mich zu einem Mann und mal zu einer Frau hingezogen. Eigentlich ist es ganz ok und ich habe mich auch damit angefreundet. Allerdings gerät bei mir alles aus den Fugen, wenn cih als Single unterwegs bin und es einen Mann UND eine Frau in meiner Nähe / Umgebung gibt und ich mich zu BEIDEN hingezogen fühle - und sich die Gefühle für die Frau irgendwie anders anfühlen. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob ich ein bisschen mehr auf Frauen stehe. Wobei es mit den Männern, die ich in den letzten Monaten so kennen gelernt habe, auch toll war (es war nur keiner von denen beziehungsstauglich, aber das macht nichts).
Wenn ich mich allerdings öfter mit jemandem treffe (zum kennen lernen usw.), gilt mein Interesse definitiv dieser Person. Das kann dann ein Mann oder eine Frau sein. Wenn mich erstmal jemand interessiert oder ich mit jemandem in einer Beziehung bin, schwanke ich nicht ständig hin und her. Ich bin (und war bisher auch immer) jemand, mit dem man durch dick und dünn gehen kann und auf den man sich auch wirklich verlassen kann.
Inzwischen habe ich einigen ausgesuchten Freundinnen so ein bisschen davon erzählt - eben dass ich AUCH auf Frauen stehe. Da muss ich mich jetzt nicht mehr verstellen.
So, das war jetzt ein Roman über mich. Vielleicht gibt es ja unter euch einige, die Ähnliches erlebt haben oder andere kennen, denen es so oder so ähnlich geht. Ich suche auf diesem Weg eine Möglichkeit mich auszutauschen und hoffe, dass ich bei euch auf offene Ohren stoße.

Liebe Grüße
Sakina


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