So nah und doch so fern... (Unsortiert)

blue, Samstag, 12. April 2014, 11:43 (vor 1263 Tagen)
bearbeitet von blue, Samstag, 12. April 2014, 12:14

Liebe Gemeinde,

ich bin neu hier und habe folgendes Problem:

Momentan mache ich eine Weiterbildung, habe Kinder und einen Mann und stehe mit 36 Jahren eigentlich mitten im Leben. Dachte ich...
Als unsere Klassengemeinschaft entstand, habe ich plötzlich Berührung bekommen mit etwas, was ich jahrelang verdrängt habe. In meiner Klasse gibt es eine Studierende, meine Klassenlehrerin und meine Hauswirtschaftlehrein, die alle drei lesbisch sind. Auf einem Konzert mit der besagten Studierenden hatte ich das Bedürfnis, sie zu berühren-rein körperlich, obwohl ich mit Berührungen zuvor so meine Probleme hatte.

Diesem Bedürfnis bin ich aber nicht nachgegangen, obwohl ich innerlich brannte. Für mich gereit eine scheinbar heile Welt ins Wanken-was denn nu? Warum fühlte ich Dinge, mit denen ich mich nicht bewusst beschäftigt hatte? Ich war zwar schon immer Anziehungspunkt einiger lesbischer und bisexueller Frauen, aber die haben von mir ab einem gewissen Punkt immer einen Korb bekommen...
Ich bin streng katholisch erzogen worden, so waren diese Gefühle für mich verboten. Ich hatte bisher Beziehungen zu Männern (außer die homosexuellen Erfahrungen in meiner Kindheit), die waren nicht ganz unkompliziert , aber das steht auf einem anderen Blatt...;-)

Nichts desdo trotz- ich bin mit meinen eigenen Ängsten konfrontiert worden-in die, mich in eine Frau zu verlieben...Ich hatte es nie leicht mit Freundschaften zu Frauen, weil ich zuviel Nähe nicht zulassen konnte. Irgendwie hatte ich Probleme, Vertrauen aufzubauen, und irgendwie hatte ich Angst, sie würden bei zuviel körperlicher Nähe Angst bekommen, ich würde etwas von ihnen wollen... sowas hat mir Angst gemacht. Verworren, nicht?
Aber mittlerweile weiß ich, dass dies nur Projektion/Übertragung war, ich hatte in echt Angst, dass das Unbegreifliche des Verliebens mit mir passieren würde.

Dann kam meine Brasilianerin...
Sie hat schon einiges hinter sich... und ich fühlte, dass ich ihr irgendwie ein schönes Leben bescheren wollte. Sie selber hat 3 Kinder und ist ein Jahr jünger als ich. Ganz schnell haben wir gemerkt, dass wir in vielen Dingen Gemeinsamkeiten haben. Heute sind wir ein Arbeitspaar und Freundinnen. Ich helfe ihr, wo ich nur kann. Und für die meisten in der Klasse sind wir immer eine Arbeitsgruppe, auch weil wir uns perfekt ergänzen (Sie hat Probleme mit unserer Sprache, ich helfe ihr dabei). Wir treffen uns auch privat öfter und unternehmen schöne Dinge miteinander. Seit einigen Wochen ist mir aufgefallen, dass ich Gefühle für sie habe, die weit mehr sind als Freundschaft. Ich lechze nach jeder Berührung, möchte mit ihr Tag und Nacht zusammen sein, ihr zeigen, wie schön die Welt ist. Ich möchte diese innige Zuneigung mit ihr teile, sie zum fallenlassen bringen, ihr andere andere Welten zeigen, voller Tiefe und Extase... kurzum-ich habe mich verliebt, und das, obwohl ich Jahre vorher nie dieses Bedürfnis verspürte-selbst bei (m)einem Mann nicht.

Ich höre ihr zu, wenn sie in ihrer unglücklichen Beziehung Psychoterror erfährt oder sie Probleme mit ihren Kids, Schule, etc. hat. Und auch, wenn sie sich trotz Beziehung neu verliebt hat, was mir ein Stich versetzt. Wir waren zusammen in Sauna und Therme. Sie hat mir gesagt, dass sie Frauen emotional nicht so nah an sich heranlassen mag (vielleicht aus den selben Gründen wie ich vor meinem Outing?)
Seitdem sind wir ein wenig zusammen gerückt. Ich möchte nicht forsch erscheinen, sondern die Freundschaft so fest werden lassen, dass ich ihr wirklich nicht mehr aus dem Herzen gehe. Meine Gefühle kommen häppchenweise und unauffällig zu ihr. Aber in mir brennt die Unruhe un ein übelst großer Druck und Sehnsucht...

Ich sage mir auch, dass es vergebliche Liebesmüh sein wird, weil sie vermutlich stockhetero ist (hat aufgrund ihrer eigenen Geschichte keine anderweitigen Erfahrungen machen können) und ich verheiratet bin. Aber ich glaube, ich kann noch so glücklich verheiratet sein (was ich aber eher nicht bin), mir wird die sinnliche Seite von einer Frau immer fehlen, seit meinem Selbstouting. Bisher weiß auch noch niemand von meinem Outing, die Sache ist noch zu frisch, ich bin noch zu unsicher (aber nicht, was meine Neigung anbetrifft, eher über die Reaktionen)

Die Liebe zu ihr kann ich nicht einfach herunterschlucken, auch wenn es vielleicht besser wäre, um die kostbare Freundschaft mit ihr nicht zu gefährden. Aber ich möchte ihr gerne Nähe, Zärtlichkeit und Sicherheit geben, versinke in (Tag-)träume, jede Minute ist gedanklich von ihr ausgefüllt.

Eine ins Wanken geratene Welt...

Nächstes Jahr begleite ich sie nach Brasilien-hat sie mir selber vorgeschlagen. Zu gerne möchte weiterhin Bestandteil in ihrem Leben bleiben. Auch wenn ich dadurch aus meiner unglücklichen Ehe ausbrechen muss, wenn das Ganze Erfolg hätte.... ich traue mich nicht, mir liegen die Worte auf der Zunge, aber aussprechen kann ich sie nicht aus Angst, sie zu verlieren.Bin sogar fleißig dabei, portogiesisch zu lernen :-P

Also darbe ich, meine Neigung kann ich vor mir selber schlecht akzeptieren, aber sie ist definitiv fester Bestandteil im Leben, im Denken geworden. Würde ich so weiter wie biher machen, würde ich mich verleugnen...momentan lebe ich ein inneres Doppelleben...echt grausam.

Was kann ich tun? Es andereitig versuchen, um erstmal Erleichterung zu haben? Um gelassener im Umgang mit meiner Freundin zu sein? Habt ihr irgendwelche Ideen?
Gibt es hier in Hessen Gruppen und/oder Ansprechpartner?

Bitte kein erhobener Zeigefinger, könnte mir selber auf die Finger hauen :-(.

Jetzt sind Ferien und ich vermisse sie so sehr :-(

Sorry für den Roman, habe ihn der Übersicht wgen geschrieben..

LG, blue


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