Wie finde ich zum Gespräch mit meiner Frau? (Coming Out)

mowolf2000, Donnerstag, 17. Januar 2008, 10:51 (vor 3538 Tagen)

Hi,

Ich stehe im Moment auch vor der Herausforderung, wie ich meiner Frau meine bisexuelle Neigung beibringe. Zunächst zu meine Fall, der sich in groben Zügen mit einigen der hier bereits diskutierten Fälle sehr ähnelt (welch ein Zufall :-D).

Ich bin jetzt 38 Jahre alt, seit gut 7 Jahren verheiratet, aber bisher noch keine Kinder. Bei der Bildersuche im Internet für eine Fotoshow als Weihnachtsgeschenk für Freunde und Verwandte bin ich auch über Bilder von Schwulen* gestolpert. Mit diesen Bildern kam eine langjährige Neigung zu Männern wieder hoch, die ich fast genauso lange unterdrückt und ignoriert habe.

Ich den folgenden Tagen bis heute habe ich im Internet immer weiter recherchiert und bin schließlich jetzt am Wochenende beim "Männerchat" bearwww.com gelandet. Während meiner Recherche und nun auch im Verlauf der Gespräche im Chat musste ich feststellen, dass ein Teil von mir jetzt immer lockerer wird. Auch meine Frau hat gemerkt, dass es mir wieder besser geht und unsere Beziehung sich intensiviert (auch wenn sie vorher alles andere als kühl zu bezeichnen war). Ist eben immer eine Steigerung drin.

Wie geschrieben, meine Frau hat auch etwas gemerkt in den letzten Tagen und ich möchte mich wirklich mit meiner Frau aussprechen. Während den Gesprächen, teilweise auch mit Bisexuellen im Chat, habe ich den Entschluss gefasst, zuerst reinen Tisch mit meiner Frau zu machen, bevor ich evtl. in die Praxis übergehen will. Andererseits glaube ich nicht, dass ich meine Bisexualität wieder unterdrücken und mit dem Alltag weitermachen kann.

Ich denke, bisher hört sich das alles so an, wie viele, viele andere Postings auch. Und ebenso wie diese vielen Autoren der Postings, weiß ich nicht, wie ich es anstellen soll, meine Neigung zu Männern bei meiner Frau anzusprechen, ohne sie zu verlieren. Sicherlich werde ich hier auch hören, dass es dafür kein Patentrezept gibt. Das ist mir schon klar. Aber gibt es denn keine Hilfestellungen, Ideensammlungen, eine Liste von Anti-Vorgehensweisen (damit ich nicht diese in meiner Verzweiflung anwende)?

Ich habe das Gefühl, dass meine Frau sehr abweisend reagieren wird, wenn ich mir wünsche Sex mit Männern zu haben (zumindest einem ausprobieren). Für meine Frau ist Sex ein Teil der Liebe und habe ich Sex mit einer anderen Person, muss ich auch gleich ihr ein Stück Liebe wegnehmen. Ich bin da anderer Meinung (bisher nur auf theoretischer Grundlage), dass ich den Sex mit Männern als "reine Befriedigung" sehe, der nichts (oder fast nichts) mit Liebe zu tun hat.

Auch den Vorschlag vor dem Gespräch zu prüfen, ob ich überhaupt Sex mit Männern haben will, oder mir diese sexuellen Gespräche und Cam-Chats nicht ausreichen würden, traue ich mich nicht anzuwenden, denn meine Frau würde diese Prüfung bereits als Vertrauensbruch sehen (ich ja auch) und dann müsste ich noch stärker um unsere Ehe bangen.

Eine Idee hätte ich, nur weiß ich nicht, ob sie eine gute Idee ist. Ich möchte mit meiner Frau über meine innere Zerrissenheit sprechen, bevor ich ihr eröffne, weshalb ich so zerrissen bin. Ich möchte, dass sie mit mir vorher über diesen neuen, bisher unterdrücken Teil von mir spricht, ohne den Grund zu kennen. Wäre das ein möglicher Weg? Ich habe mir bereits den Text als Vorbereitung zusammengestellt, in dem noch kein Wort von Bisexualität oder Neigung zu Männern drin vorkommt. Wenn der Text wichtig ist für die Beratung, ob die Vorgehensweise gut oder schlecht ist, kann ich ihn auch per E-Mail zuschicken. Ich möchte ihn jedoch jetzt noch nicht hier im Forum präsentieren. Vielleicht später einmal.

*) Ich meine hier keine pornografischen Bilder, sondern es waren teilweise Urlaubsbilder von schwulen Paaren, die eine traute Zweisamkeit verdeutlichten.

Wie finde ich zum Gespräch mit meiner Frau?

chopin, Donnerstag, 17. Januar 2008, 13:24 (vor 3537 Tagen) @ mowolf2000

Hallo,

jaja, das alte Thema: Wie sag' ich's meinem/r PartnerIn ...

Ich beschäftige mich seit längerem intensiv mit den Themen eigene Veränderungsprozesse, Bisexualität, Polyamory und Paardynmaik.

Zu allererst möchte ich sagen, dass ich mit meiner Frau, was das 'Comming Out' angeht, sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Nicht der erwartete 'Rausschmiß' sondern ein 'ich-stehe-zu-Dir' war die Folge.
In Absprache mit ihr konnte ich dann auch meine Bisexulität leben, im letzten Jahr sehr intensiv.
Soweit die guten Nachrichten.

Die andere Seite ist die, dass meine gelebte Bisexualität eine starke Belastung für unsere Paarbeziehung ist. Ich gehe zwar nicht 'fremd' sondern eher 'bekannt' ... aber ICH habe Sex (momentan nur mit Männern) mit anderen ausserhalb der Paarbeziehung.

Meine Frau wünscht sich einen Mann den sie "für sich alleine hat", der "nur für sie da ist" ... ich möchte jetzt diesen Wunsch nicht bewerten, oder gar in eine Klischee-Ecke stellen (... wollen doch alle Frauen ...), dieser Wunsch ist genauso legitim wie mein Wunsch nach intimen Kontakten mit Männern.
In diesem Spannungsbogen leben wir, mal besser mal schlechter.

Es existiert zwar die Absprache, dass ich meine Kontakte pflegen darf, es ist aber auch offentsichtlich, dass mein Ausleben meiner Wünsche sie verletzt. Und ihre Verletzung zu spüren und meine eigenen Verletzungen zu spüren tut weh und fällt mir schwer auszuhalten.
Was tun sprach Zeus ? Ich halte mich zurück, lebe nur noch in der Zweierbeziehung und fühle mich unwohl unrund ... ich lebe meine Wünsche und weiß um ihre Verletzungen.

Zur Zeit holen wir uns gerade hierfür professionelle Hilfe um unter der Moderation eines 'neutralen Beobachters' diese Themen zu benennen und zu schauen was ist und ob es wirklich eine dauerhafte Zukunft für unsere Paarbeziehung gibt. Soweit unser Status Quo.

Trotz aller daraus resultierenden Probleme plädiere ich für das offene Gespräch mit Deiner Partnerin und rate Dir aus eigener Erfahrung dazu.
Es geht doch nicht darum zu sagen "Hey ich bin bi und morgen will ich mit Männern vögeln" sondern erst einmal ein gemeinsames Bewußtsein für die Situation zu schaffen. Das ist für mich der erste entscheidende Schritt.

Der nächste Schritt ist schauen was sind Deine Bedürfnisse, erst mal unabhängig von den Bedürfnissen des Partners. Willst Du 'nur' Sex mit Männern ? Deine Fantasien ausleben ? Das ist erst mal OK und macht auch Spaß.
Willst Du eine tiefere Beziehung zu Männern, die auch erotisch sein darf ?
Geht es darum Dein Mannsein neu zu definieren in einem Kreis von Männern ?

Sicherlich bietet das Internet viel 'Anschauungsmaterial' und leichten Kontakt zu 'Gleichgesinnten' aber es ist aus meiner Erfahrung auf diesem Weg nicht einfach Menschen zu finden die *wirklich* auch an Dir als Mann und Mensch interessiert sind und nicht nur nach einem Schwanz mit Kerl dran ...
Auch die "klassischen Treffpunkte" Schwulenkneipe, Gaysauna, Klappe, Park, Baggersee sind nicht jedermanns Sache.

Mir ging es jedenfalls so, dass nach einer Zeit des sexuellen Ausprobierens die tiefen Kontakte zu Männern das war was ich wirklich wollte, dabei ist Sex sicherlich möglich und auch schön aber nicht mehr das treibende Motiv.

Ich habe vor vier Jahren Tantra kennen gelernt und letztes Jahr ein tantrisches Jahrestraining mit Schwulen und bisexuellen Männern gemacht. In dieser offenen Atmosphäre und in diesem geschützten Raum war es mir möglich die Tiefen meines Mannseins auszuloten und Beziehungen zu Männern aufzubauen und immer noch zu leben, die weit über das hinaus gehen was ich bis dato erlebt hatte.

Die Ausschreibung dieser Seminare haben mir auch Einstiegspunkte in das Gespräch mit meiner Frau gegeben. Sie wußte was ich vorhatte, wo ich war und wie der Rahmen war, zumal wir auch gemeinsam schon gemischte Tantraseminare erlebt hatten.
Aus eigener Erfahrung kann ich allen bisexuell fühlenden, in einer Partnerschaft lebenden Männern empfehlen ihre ersten Kontakte in diesem Rahmen zu machen. Wer weitere Infos wünscht kan mich gerne per Mail kontaktieren.

Aus meiner eigenen bisexuellen Erfahrung heraus werde ich selbst im Raum Karlsruhe eine Massagegruppe für Männer anbieten um gerade auch bisexuellen Männern einen geschützten Rahmen zu bieten die Körperlichkeit mit anderen Männern zu erfahren und zu genießen.

Ich will noch etwas auf Deine Fragen eingehen.

weiß ich
nicht, wie ich es anstellen soll, meine Neigung zu Männern bei meiner Frau
anzusprechen, ohne sie zu verlieren.

Das Wichtigste ist meiner Erfahrung nach erlich zu Dir selber zu sein und im Gespräch auch zu Dir zu stehen.
Es sollte in einer Partnerschaft möglich sein über seine Gefühle und Wünsche zu sprechen ohne sich gleich zu trennen.
Sprich über Deine Gefühle, so wie sie da sind und Deine Wünsche. Die Formulierung eines Wunsches, heißt noch lange nicht, dass er auch so verwirklicht werden muß.

Sicherlich werde ich hier auch hören, dass es dafür kein Patentrezept gibt.

Nee ! :-))

Ich habe das Gefühl, dass meine Frau sehr abweisend reagieren wird, wenn
ich mir wünsche Sex mit Männern zu haben (zumindest einem ausprobieren).

Du hast das Gefühl aber Du weißt es nicht !
Und, wie oben beschrieben, was wünschst Du dir *wirklich* ... !
Je klarer Du Dir darüber bist, desto klarer kannst Du auch über Deine Wünsche und Gefühle reden und das wird Deine Frau spüren.
Und es muß ja nicht immer gleich Sex sein ... siehe oben.

Für meine Frau ist Sex ein Teil der Liebe und habe ich Sex mit einer
anderen Person, muss ich auch gleich ihr ein Stück Liebe wegnehmen.

Ja, das ist eine sehr beliebte Argumentation ... mann könnte auch sagen Ausrede ...
Die Wahrheit ist aber die, wenn Du das tust bist Du, zumindest zeitweise, nicht bei ihr und es kann sein, dass damit Ängste ausgelöst und Verletzungen aus der Vergangenheit zum Vorschein kommen, die zwar nichts mit Dir zu tun haben, die Du aber spüren und aushalten mußt.

Ich
bin da anderer Meinung (bisher nur auf theoretischer Grundlage), dass ich
den Sex mit Männern als "reine Befriedigung" sehe, der nichts (oder fast
nichts) mit Liebe zu tun hat.

Soweit die Theorie ... mir kommen die Argumente bekannt vor ;-)
Nur Sex ohne Liebe wird schnell hohl und fade, ja, im Moment des Tuns mag es geil sein, aber danach fragts Du Dich "und war das alles ...".
Und was machst Du, wenn Du Dich dann doch in einen Mann verliebst ?

und dann
müsste ich noch stärker um unsere Ehe bangen.

Warum ? Woher kommt Deine Verlustangst ?
Warum 'noch stärker' ??? Gibt es noch nadere Themen die Eure Beziehung bereits heute belasten ?
Gab es schon Situationen, wo Dir mit Trennung gedroht wurde (muß nicht in Deiner jetzigen Beziehung sein) wenn Du Dich nicht 'partnerkonform' verhälst.
An dieser Stelle wird's nämlich richtig spannend, inwieweit stehst Du *wirklich* - mit allen Konsequenzen zu Dir - oder wie weit willst Du Dich aus Angst vor diesen Konsequenzen verbiegen und verstecken.
Nach meiner Erfahrung in meiner Partnerschaft und bei Freunden weiß ich, dass Frauen es sehr schätzen wenn ein Mann *wirklich* zu sich steht und dann auch bereit sind weiter mit diesem Mann den Weg zu gehen.


Eine Idee hätte ich, nur weiß ich nicht, ob sie eine gute Idee ist. Ich
möchte mit meiner Frau über meine innere Zerrissenheit sprechen, bevor ich
ihr eröffne, weshalb ich so zerrissen bin.

Werde Dir klar WAS Du willst, stehe zu DIR und sei ehrlich DU SELBST !
Alles andere ist nur ein Herumgeeiere ... ja ich weiß, klingt gut, sagt sich leicht daher ... ist aber eine Herausforderung ... der ich mich auch Tag für Tag stelle und manchmal scheitere ... und dann doch den Schwanz einziehe ... und verdammt !, DAS merkt sie :-((

*) Ich meine hier keine pornografischen Bilder,

Und wenn's pornografische sind, sei's Dir auch gegönnt ... ich schau mir auch gerne Bildchen und Filmchen mit nackigen, geilen, sichtbar erregten Kerlen an ... :-P

sondern es waren teilweise
Urlaubsbilder von schwulen Paaren, die eine traute Zweisamkeit
verdeutlichten.

Dann fühl noch mal in Dich hinein ... ist es der Sex mit Männern den Du willst ... oder was willst Du WIRKLICH ... die Antwort steckt in diesen Zeilen.

Ich hoffe, ich konnte Dir ein paar Anregungen geben.
Wenn Du magst kannst Du mich gerne per Mail kontaktieren.

Grüßle aus Baden

Chopin

Wie finde ich zum Gespräch mit meiner Frau?

sirahh, Freitag, 18. Januar 2008, 19:07 (vor 3536 Tagen) @ chopin

Meine Frau wünscht sich einen Mann den sie "für sich alleine hat", der
"nur für sie da ist" ... ich möchte jetzt diesen Wunsch nicht bewerten,

Ich schon, weil es Quatsch ist. Ich bin auch nicht nur für meine Frau da, ich habe einen erfüllenden Beruf, ich habe Kinder, etc.

Das ist keine Frage von "nur für xxx da sein", sondern von Setzen von Prioritäten. Immer.


Ralf

P.S.: Jemand, der nur für mich da ist, hat keinen anderen Lebensinhalt und wird für mich zu einer Belastung....

Wie finde ich zum Gespräch mit meiner Frau?

sinnlicheversuchung, Montag, 21. Januar 2008, 20:14 (vor 3533 Tagen) @ sirahh

Meine Frau wünscht sich einen Mann den sie "für sich alleine hat", der
"nur für sie da ist" ... ich möchte jetzt diesen Wunsch nicht bewerten,


Ich schon, weil es Quatsch ist. Ich bin auch nicht nur für meine Frau da,
ich habe einen erfüllenden Beruf, ich habe Kinder, etc.

Das ist keine Frage von "nur für xxx da sein", sondern von Setzen von
Prioritäten. Immer.


Ralf

P.S.: Jemand, der nur für mich da ist, hat keinen anderen Lebensinhalt und
wird für mich zu einer Belastung....

Sehr gut, dem kann ich mich nur anschließen.....:-)

Wie finde ich zum Gespräch mit meiner Frau?

Katl1966, Dienstag, 22. Januar 2008, 15:38 (vor 3532 Tagen) @ sinnlicheversuchung

Hallo,

wie Du schon selbst schreibst, es gibt kein Patentrezept. Ich habe selbst das, was Du Deiner Frau sagen möchtest, von meinem Mann gehört. Allerdings hat er nicht von sich aus mit mir darüber geredet, sondern ich bin irgendwann über verdächtige Internet-Seiten gestopert und habe ihn gefragt. Nach und nach kam die Wahrheit ans Licht. Wir haben nächtelang geredet, geweint. Mich hat gar nicht so sehr die Tatsache geschockt, dass er bi ist, sondern vielmehr, dass er so gar kein Vertrauen zu mir hatte und nicht mit mir geredet hat. Wir haben unsere Beziehung gründlich "aufgearbeitet", gegenseitig gesagt, was richtig in unserer Beziehung ist und was falsch läuft. Vieles hat weh getan, von beiden Seiten. Doch es hat sich gelohnt, wir haben wieder zueinander gefunden, auch wenn es lange gedauert hat, bis ich wieder Vertrauen zu meinem Mann hatte. Er hat es aber auch ertragen, dass ich immer wiede gefragt habe, ob er nicht doch schwul ist, warum er nicht eher geredet hat, ob er mich liebt und was nicht noch alles. Sicher war das für ihn manchmal nervig.

Heute haben wir für uns einen Weg gefunden. Inzwischen lebe ich mit zwei bisexuellen Männern zusammen, was wunderschön, doch nicht immer einfach ist. Doch möchte ich es nicht mehr anders haben, ich lieb sie halt beide.

Ich rate dir vor allem, sei ehrlich. Dies ist sicher keine Garantie dafür, dass Deine Frau Dich dann versteht, doch wenn sie durch Zufall dahinter kommt, wird es noch viel schwerer. Wie Du es ihr sagst, musst Du wohl selbst entscheiden, Du kennst sie am besten.
Natürlich gibt es auch Männer, die ihre Frau jahrelang mit Männergeschichten hintergehen. Wenn das dann raus kommt, gibt es wohl für die Beziehung keine Rettung mehr.

Ich wünsch Dir jedenfalls alles Gute und drück Dir die Daumen
Liebe Grüße Katrin

Wie finde ich zum Gespräch mit meiner Frau?

Perserkater-Row, Freitag, 25. Januar 2008, 08:57 (vor 3530 Tagen) @ Katl1966

Hallo,

wie Du schon selbst schreibst, es gibt kein Patentrezept. Ich habe selbst
das, was Du Deiner Frau sagen möchtest, von meinem Mann gehört. Allerdings
hat er nicht von sich aus mit mir darüber geredet, sondern ich bin
irgendwann über verdächtige Internet-Seiten gestopert und habe ihn
gefragt. Nach und nach kam die Wahrheit ans Licht. Wir haben nächtelang
geredet, geweint. Mich hat gar nicht so sehr die Tatsache geschockt, dass
er bi ist, sondern vielmehr, dass er so gar kein Vertrauen zu mir hatte
und nicht mit mir geredet hat. Wir haben unsere Beziehung gründlich
"aufgearbeitet", gegenseitig gesagt, was richtig in unserer Beziehung ist
und was falsch läuft. Vieles hat weh getan, von beiden Seiten. Doch es hat
sich gelohnt, wir haben wieder zueinander gefunden, auch wenn es lange
gedauert hat, bis ich wieder Vertrauen zu meinem Mann hatte. Er hat es
aber auch ertragen, dass ich immer wiede gefragt habe, ob er nicht doch
schwul ist, warum er nicht eher geredet hat, ob er mich liebt und was
nicht noch alles. Sicher war das für ihn manchmal nervig.

Heute haben wir für uns einen Weg gefunden. Inzwischen lebe ich mit zwei
bisexuellen Männern zusammen, was wunderschön, doch nicht immer einfach
ist. Doch möchte ich es nicht mehr anders haben, ich lieb sie halt beide.

Ich rate dir vor allem, sei ehrlich. Dies ist sicher keine Garantie dafür,
dass Deine Frau Dich dann versteht, doch wenn sie durch Zufall dahinter
kommt, wird es noch viel schwerer. Wie Du es ihr sagst, musst Du wohl
selbst entscheiden, Du kennst sie am besten.
Natürlich gibt es auch Männer, die ihre Frau jahrelang mit
Männergeschichten hintergehen. Wenn das dann raus kommt, gibt es wohl für
die Beziehung keine Rettung mehr.

Ich wünsch Dir jedenfalls alles Gute und drück Dir die Daumen
Liebe Grüße Katrin

Hallo Zusammen

Also dies ist auch kein Patentrezept,aber ich habe mich im Urlaub ( vor Jahren ) meiner jetztigen Frau geoutet.
Wir kamen auf das Thema sexualität, Fantasie und derer gleichen,und nach einiger Zeit sagte ich zu ihr,das ich seit meinem 15 Lebensjahr Bisexuell bin,und es bis jetzt immer unterdrückt habe, und das ich verstehen könne das wenn mein Bi sein für sie ein hinderniss darstellt, und sie sich von mir trennen möchte ich es verstehen könne.
Nichts der gleichen ist geschehen,sie reagierte sehr locker und sagte nur,ich liebe Dich so wie du bist,und deine Neigung gehört zu dir genauso dazu, wie alles andere

Ich hätte vor freude in diesem Augenblick heulen können

Volker

Wie finde ich zum Gespräch mit meiner Frau?

mowolf2000, Montag, 28. Januar 2008, 14:49 (vor 3526 Tagen) @ Perserkater-Row

Hallo,

nachdem hier inzwischen einige Vorschläge kommen sind, möchte ich mich mal wieder zu Wort melden. Eine Woche nach der Anmeldung am Chat war ich fest der Meinung, dass ich doch nicht bi-sexuell veranlagt bin. Nach dem Kinobesuch am Freitag kamen wir im Auto zufällig auf das Thema der Homosexualität, da meine Frau über ein Kontakt-Portal einen Mann kennen gelernt hat, der ihr vor Kurzem eine Mail zurückschickte, die unmissverständlich auf seine Homosexualität hinwies. Im Auto wollte ich dann nicht mehr anfangen, aber in unserer Wohnung habe ich das Thema aufgegriffen, dass ich mir bzgl. meiner Neigung zwischenzeitlich unsicher wurde und mich bei einem Männer-Chat eingetragen habe. Aber ich hätte mit Hilfe von Bekannten aus dem Chat inzwischen herausgefunden, dass ich nicht bi-sexuell wäre.

Auch wenn meine Frau erleichtert war, dass ich nicht bi-sexuell wäre, war sie geschockt und das Vertrauen zu mir war angeknackst. Bis zur Nacht konnte ich sie einigermaßen beruhigen und inzwischen ist es OK. Nach einem Gespräch mit einer Freundin geht es ihr auch wieder besser.

Was meine Frau noch nicht weiß, ist, dass sich meine Gefühle inzwischen wieder geändert haben. Ich glaube nun wieder (nach 2 Wochen), dass ich bi-sexuell bin. Nun versuche ich, auf dem ersten Gespräch aufzubauen und meine Frau Stück für Stück an meine Neigung und Zweifel heranzuführen.

Wie ich bereits ursprünglich beschrieben habe, hat sich unser Verhältnis stark intensiviert (auch sexuell). Zumindest ist meine Frau jetzt glücklich, dass sich das Thema (vermeintlich) geklärt hat.

Ich stehe jetzt vor dem Punkt, dass ich nicht mehr zurück kann, und muss sogar das Gespräch mit einer Frau suchen. Ich bin selbst mal gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

Zumindest habe ich ihr schon klar gemacht, dass ich mir in keinem Punkt mehr wirklich sicher sein kann, da ich über so viele Jahre meine Neigung vor mir selbst verstecken konnte, ohne es zu merken. Wie kann ich mir dann sicher sein, dass ich nicht weiterhin etwas vor mir selbst verstecke. Doch etwas gibt es, so konnte ich meiner Frau versichern, dessen ich mir sicher bin, dass sie die wichtigste Person in meinem Leben ist und bleibt, und, dass ich mit ihr alt werden möchte.

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