Partner(m) ist bi, wie einbauen? (Bi-Gruppen)

Zekintha, Donnerstag, 15. Oktober 2009, 17:25 (vor 2901 Tagen)

Hallo.

Ich habe mir schon viel aus diesem Forum durchgelesen und bin begeistert, wie hilfsbereit viele Leute sind. Ich hoffe, ihr könnt auch mir helfen.

Mein Freund hat mir nach 2 Jahren Beziehung vor ein paar Tagen erzählt, dass er bi ist und dass er das auch gerne ausleben würde. Zuerst muss ich sagen, dass ich das total in Ordnung finde. Ich freue mich sehr darüber, dass er so viel Vertrauen zu mir hat mir sowas zu erzählen.

Natürlich war es ein ''kleiner'' Schock für mich und manchmal tut es auch weh zu wissen, dass ich ihm sexuell gesehen nicht reiche. Aber mittlerweile weiß ich, dass das weder an mir noch an ihm liegt. Er ist so und genauso liebe ich ihn. Nun reden wir sehr viel miteinander und haben uns versprochen wirklich ehrlich zu sein, weil wir beide wollen, dass wir eine Lösung finden mit der wir beide glücklich sind. Aber manchmal ist es eben auch ganz hilfreich von außen ein paar Standpunkte zu hören. Im Freundeskreis können wir uns da leider nicht aussprechen, weil er das nicht möchte. Und das möchte ich respektieren, also wende ich mich hier ans Forum.

Ich möchte ihm gerne ermöglichen seine Neigungen auszuleben. Er sagt, er sucht nur den Sex bei anderen Männern. Das macht es mir wenigstens etwas einfacher, meine Verlustängste in den Griff zu bekommen. Nun weiß ich aber überhaupt nicht, wie sich seine Neigung in den Beziehungsalltag einbauen lässt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, sich nachmittags von ihm zu verabschieden, wenn ich weiß, dass er zu einem Mann geht, um mit ihm Sex zu haben.

Kann mir vielleicht jemand mit ein paar ''Beziehungsmodellen'' aushelfen? Wie habt ihr das geregelt?
Entweder bin ich nicht kreativ genug oder zu engstirnig, aber mir will da nichts einfallen. Und ich brauche dringend ein paar Ansätze, wie wir das regeln können.

Ich hoffe, ich konnte mein ''Problem'' verständlich machen und dass jemand helfen kann.

Vielen Dank für's Lesen.

Liebe Grüße, Zekintha.

Individuelle Lösungen, am besten mit Mitfreuen ....

Frank (Mod), Dienstag, 20. Oktober 2009, 11:02 (vor 2896 Tagen) @ Zekintha

Hallo Zekintha!

Ich finde es toll, wie offen Ihr beide seid!
Und obwohl Du auch ein wenig Angst hast, habe ich fast den Eindruck, dass Du Dich für ihn mitfreust, dass er so ist, wie er ist!

Da würde ich auch bei Deinem Ratsuchen ansetzen.

Zum einen sehe ich es nicht so, dass Du ihm nicht genügst! Es ist ein ganz anderes Paar Schuhe. Nur weil Du Deinen Mann liebst, heißt das doch auch nicht, dass Du Deine Eltern, Deine Geschwister nicht mehr liebst, Dich nicht mehr mit Deinen Freundinnen treffen darfst, Dich nicht mehr selbstbefriedigen sollst usw. Es ist einfach etwas anderes. Man mag diskutieren und es so sehen, dass es bei Sex etwas anderes ist. Aber das ist halt Ansichtssache. Ich sehe es als eine zweite Seite, eine Bereicherung und nicht als "da fehlt was an Dir"! Wenn ich Hunger auf einen Apfel habe, sonst aber genüsslich täglich meine Bananen esse und süchtig danach bin, heißt das doch auch nicht, dass die Banane nicht mehr reicht ....
Ja, ich weiß, viele sagen, solche Beispiele hinken, ich finde es in bestimmter Hinsicht aber nicht!

So, kommen wir zu Deiner konkreten Frage, wie man die bisexuellen Lüste in den Alltag einbaut.
Nun, da gibt es natürlich diverse Möglichkeiten, auch je nachdem, ob Du das eher lieber alles mitbekommen willst oder auch nicht!

a) Er erzählt Dir genau davon, wann er weggeht, um einen Mann zu treffen. Danach trefft Ihr Euch, er berichtet ausführlich, und Ihr habt dann auch noch einmal geilen Sex miteinander - die Erzählungen dienen dann als Anregung, statt als Problem!
b) Er geht nur "weg", wenn Du nicht da bist, eh was anderes zu tun hast, beim Arbeiten bist, viel beschäftigt bist und nicht so drüber nachdenken kannst!
c) Ihr geht gemeinsam los - z.B. trefft Ihr Euch gemeinsam mit einem Mann. Du guckst zu, findest es vielleicht sogar geil, Ihr macht ein Codewort aus, wann es zu weit geht ... Ihr könnt es auch ganz langsam angehen, mal in einem Chat/Forum einen Mann kennen lernen, Euch zum Essen treffen, Euch beschnuppern, und dann sieht man erst weiter.
d) Ihr guckt Euch in einem Swingerclub oder auf einer Bi-Party um. Wenn Euch ein Bi-Mann gefällt, schlagt Ihr zu. Wenn nicht, lasst Ihr es erst einmal.
e) Was er darf, darfst Du auch. Wenn Ihr Euch das beide vorstellen könnt, triffst Du Dich auch mit einem anderen Mann. Oder Du triffst Dich gar mit einer Frau ...
f) Ihr trefft Euch mit einem Paar, wo der andere Mann auch bi ist. Ihr guckt Euch gegenseitig zu, und vielleicht läuft was bei den Männern.
g) Du weißt, dass er seine Bisexualität jetzt auslebt, aber er erzählt Dir nichts darüber. Ihr vereinbart, dass er es so macht, dass Du nix mitbekommst. Es wäre nicht meine Art, aber es gibt Paare, die wollen das gerne so.
h) Du suchst für ihn den Mann aus, und er stimmt zu oder nicht .... es wird ein gemeinsamer Spaß ....
i) Ihr geht das ganze mal ein wenig langsamer an, trefft Euch mit anderen Bis bei einem Stammtisch in Eurer Stadt oder beim bundesweiten BiNe-Treffen. Man tauscht sich aus, man wächst, und dann kann immer auch noch was passieren - evtl. auch dort!

Du siehst, es gibt tausend Möglichkeiten!

Aber das Wichtigste ist, glaube ich, eher:
a) weiterhin offen zu sein, den anderen nicht zu belasten, ihm die Schuld für etwas geben,
b) auch offen ansprechen, wenn man eifersüchtig ist - das ist keine Schande, heißt aber auch nicht, dass das jetzt alles gar nicht und nie wieder geht, aber auch nicht, dass alles egal ist und einfach so weiterlaufen kann.
c) evtl. nichts überstürzen,
d) mehr das Positive sehen, die Bereicherung, anstatt etwas Negatives, Gefährliches.

Viel Erfolg!

Partner(m) ist bi, wie einbauen?

rudolf, Dienstag, 20. Oktober 2009, 17:37 (vor 2896 Tagen) @ Zekintha

Hallo Zekintha.

ich freue mich , das Du es versuchen willst mit der Neigung Deines Partners zu leben.

Wir haben uns nach meinem CO so geeinigt, dass unsere Ehe den Vorrang hat. Mein Frau wollte den Freund kennen lernen so habe ich ihn zu uns eingeladen, verbunden mit einem gemeinsamen Essen. Die umgekehrte Situation kann leider nicht so offen stattfinden, da mein Freund ungeoutet ist und auch verheiratet ist. Wir, das heisst meine Frau und ich, waren allerdings zu einem Betriebsfest meines Freundes eingeladen, wo seine Frau uns dann kennen lernte.Wir wurden ihr aber als gute Bekannte vorgestellt, wo er mal ab und zu den Rechner repariert.

Die intimen Dates möchte meine Frau nicht wissen. wenn ich sage heute fahre ich mal zu X. dann kann sie sich zwar denken dass Sex stattfindet. Im Allgemeinen erzähle ich von meinen Treffen. Wir haben auch schon Ausflüge, Konzertbesuche und andere Aktivitäten zu dritt gemacht. Er ist öfter bei uns zu Besuch, meine Frau unterhält sich auch gern mit ihm. Meine Frau würde mir auch gestatten mit ihm in Urlaub zu fahren.

Ich schrieb oben vom Vorrang der Ehe, dass heisst wenn ich mich in den Freund verlieben würde, wäre die Situation eine andere. Und er wäre in meinem Leben die NR.1, dann würde sie sich von mir trennen.

Liebe Grüße Rudolf

Partner(m) ist bi, wie einbauen?

curt, Donnerstag, 29. Oktober 2009, 15:30 (vor 2887 Tagen) @ Zekintha

Natürlich war es ein ''kleiner'' Schock für mich und manchmal tut es auch
weh

Ich möchte ihm gerne ermöglichen seine Neigungen auszuleben.

Aus deinen Zeilen spricht viel Verständnis und Liebe zu deinem Partner.
Überfordere dich aber bitte nicht. DEINE Gefühle sind ebenso wichtig, wie seine. Wenn du also an deine Grenzen stößt, bring diese mit in die Gespräche ein. Er sollte deine Ängste genauso ernst nehmen, wie du seine Bedürfnisse.

Viel Glück
curt
ps: wenn es Probleme gibt _ schau mal auf z-bi.de

Partner(m) ist bi, wie einbauen?

Allegra, Montag, 23. August 2010, 00:07 (vor 2590 Tagen) @ curt

Ich schließe mich Curts Meinung an. Es bringt doch nichts, nur die Bedürfnisse des anderen zu sehen (wozu wir Frauen ja leider neigen) und sich selbst hinten an zu stellen. Wenn Du es selbst als bereichernd empfindest, dass Dein Freund bisexuell ist, dann ist das Ok. Es gibt aber auch viele Frauen, die lassen sich nur deshalb auf diese Art "Gestaltungsmöglichkeiten" ein, weil sie ihren Partner nicht verlieren möchten - wobei ich mich immer Frage: Haben Sie ihn nicht ohnehin schon im Moment des Outings verloren?

Auch denke ich nicht, dass man Sexualität so einfach mit Äpfel und Bananen vergleichen kann. Doch wenn das so einfach wäre: Was wäre denn dabei, seinem Partner zuliebe sein Leben lang (oder während der Beziehung) z.B. auf Bananen zu verzichten? Wäre das tatsächlich ein so großer Verlust, oder nicht auch ein Liebesbeweis? Aber ok, das mag vielleicht nicht zur heutigen Laissez-Faire-Haltung von "ich probiere alles aus, hauptsache mir geht es gut" passen... Mag altmodisch klingen, aber die meisten Beziehungen werden in dem stillen Einvernehmen geschlossen, dass sie monogam ablaufen sollen. Egal ob bi oder hetero, Sex außerhalb der Beziehung ist demnach Betrug!

Mag auch sein, dass es extrem tolerante Menschen gibt, doch meistens sind sie nur solange tolerant, wie sie selbst einen Vorteil bzw. Lustgewinn davon haben, was im Fall eines heterosexuellen Partners schwer der Fall sein dürfte. Perfekt wäre es dagegen, wenn beide Partner bisexuell sind und ihre "Beziehungsexperimente" auf dieser Ebene forsetzen. Zwischen einem Bisexuellen und einem Heterosexuellen muss es aber zwangsläufig irgendwann zu Missstimmungen kommen, außer die hetero Frau/der Mann steht auf Sex zu Dritt.

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