Brauche dringend Rat (BiNe-Diskussionforum)

Zauderer, Mittwoch, 09. Februar 2011, 18:14 (vor 2416 Tagen)

Liebe Forumsmitglieder

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich dringend (!) Rat brauche. Zunächst muss ich etwas ausholen:

Ich bin mitte 40, männlich, verheiratet (glücklich) und Vater von mehreren Kindern.
Vor etwas 10 Jahren wurde mir - recht unvermutet und sehr heftig - klar, dass ich bisexuell bin. Bis dahin war ich mir nie ganz sicher gewesen. Dann aber hat es mich richtig gepackt. Ungeahnte Gefühle und Bedürfnisse sind in mir in einer sehr mächtigen Weise wach geworden. Ich musste dies aber alles verstecken. Dies insbesondere deshalb, weil ich meine Familie sehr liebe und mir eindeutig klar war und immer noch ist, meine Frau könnte mit meiner bisexuellen Veranlagung nicht umgehen und würde bisexuelle Kontakte meinerseits nie und nimmer akzeptieren - in keinem Fall. Ich würde alles verlieren. Nun, manchmal liess mich meine Neigung wieder über längere Zeiträume in Ruhe, dann schüttelte sie mich monatelang gewaltig durch. Ich habe sie aber nie real ausgelebt. War höchstens im Internet an entsprechenden Orten unterwegs, habe geträumt. Zuweilen konnte ich tagelang an kaum was anderes denken etc. In der Phantasie habe ich mir gedacht: Wenn da vielleicht in meiner näheren Umgebung ein anderer verheirateter Mann wäre, dem es gleich geht wie mir, der auch auf absolute Diskretion vertrauen muss, ja, dann würde es vielleicht gehen. Ich dachte: Vielleicht treffe ich einen Mann mit dem ich eine gute Freundschaft aufbauen kann, die offen ist und dann würden wir noch ein kleines Geheimnis teilen, das nur wir kennen. Aber kein solcher war da...bis vor wenigen Wochen. Ich habe ihn im Internet kennengelernt. Unsere Situationen sind sehr ähnlich. Schliesslich fasste ich mir ein Herz und habe ihn getroffen. Er war mir sogleich unglaublich sympathisch, und ich ihm auch. Wir konnten über alles reden, lachen etc. Wir finden uns auch äusserlich attraktiv. Wir haben es eigentlich offen gelassen, wie es weiter gehen soll. Wir haben uns einfach gesagt, mal sehen. Freunde sollen wir werden, den Rest dann mal sich entwickeln lassen. Ich war in den Ferien und da - in der Ruhe - hat mich die Angst mit dem Zweifel gepackt. Nein, ich kann doch kein Doppelleben führen, das geht nicht, sagte meine innere Stimme. Nach meinen Ferien habe ich es ihm mitgeteilt, dass ich ihn unglaublich gerne habe, aber bestehendes nicht riskieren kann und daher stoppen muss. Natürlich hat er sehr enttäuscht reagiert. Er ist sich auch etwas "vorgeführt" vorgekommen. Er hat mich beschworen, es mir nochmals zu überlegen. Er zeigt mir auf, dass dieses ständige Unterdrücken mich schliesslich auch kaputt machen würde. Ich habe mich auch geschämt, dass ich nicht fair zu ihm war. Und hier bin ich nun, hin- und hergerissen, verwirrt. In meiner Idealwelt spräche alles dafür, Familie und Frau zu behalten und daneben mit diesem Mann gelegentlich das zu geniessen, wonach es mich schon so lange so stark drängt. In meiner nüchternen Welt aber stehen die grossen Warnsignale. Ich weiss echt nicht mehr weiter. Vielleicht gibt es hier Menschen, die mir helfen können, den rechten Weg zu finden. Einfach nochmals ganz klar: Jedes Coming-Out wird meine Ehe beenden, darum kann ich diesen Weg nicht gehen.

Notlösung

Frank, Donnerstag, 10. Februar 2011, 14:03 (vor 2416 Tagen) @ Zauderer
bearbeitet von Frank, Donnerstag, 10. Februar 2011, 14:08

Lieber Zauderer,

kann Deine derzeitige Lösung eine sein?

Mich macht es wütend, dass Menschen sich zerreissen, weil sie nicht in das gesellschaftliche Schema passen.

Mich macht es traurig, dass Menschen nicht zu sich stehen, und damit auch nichts dazu beitragen, dass sich die Verhältnisse ändern.

Aber ich weis aus eigener Erfahrung, dass es ein langer, harter Weg sein kann, mit dem Partner / der Partnerin zu reden und eine Lösung zu suchen. Es muss nicht so schrecklich sein, wie Du befürchtest. Und Du gibst Deiner Partnerin auch nicht die Möglichkeit mit Dir zu wachsen und Dich so zu lieben wie Du bist.

Damit das keine Sachgasse wird: Wenn es gar nicht anders geht, dann bin ich der Meinung, dass es eine Art Notwehr ist, heimlich so zu sein, wie man ist. Finde ich nicht gut, aber wenn es gar nicht anders geht, dann ist es halt so.

Wichtig finde ich dann aber, dass Du so verantwortlich damit umgehst, wie es geht. Das heißt: auf Sicherheit achten, Dich zu informieren und Dich auch von Zeit zu Zeit testen zu lassen.

Ich finde es schade, dass Du gestoppt hast - Angst essen Seele auf - aber die Entscheidung, wie Du leben willst, kann Dir keiner abnehmen.

Ich wünsche Dir viel Glück und hoffe, dass Du Deinen Weg findest und vielleicht wird irgendwann ein Coming-out möglich - denn so ist das keine echte Lösung, sondern nur eine Notlösung.

Frank

Notlösung

Zauderer, Donnerstag, 10. Februar 2011, 19:08 (vor 2415 Tagen) @ Frank
bearbeitet von Zauderer, Donnerstag, 10. Februar 2011, 19:16

Lieber Zauderer,

kann Deine derzeitige Lösung eine sein?

Mich macht es wütend, dass Menschen sich zerreissen, weil sie nicht in das
gesellschaftliche Schema passen.

Mich macht es traurig, dass Menschen nicht zu sich stehen, und damit auch
nichts dazu beitragen, dass sich die Verhältnisse ändern.


Damit das keine Sachgasse wird: Wenn es gar nicht anders geht, dann bin
ich der Meinung, dass es eine Art Notwehr ist, heimlich so zu sein, wie
man ist. Finde ich nicht gut, aber wenn es gar nicht anders geht, dann ist
es halt so.

Ich finde es schade, dass Du gestoppt hast - Angst essen Seele auf - aber
die Entscheidung, wie Du leben willst, kann Dir keiner abnehmen.

Lieber Frank

Vielen Dank für Deine Antwort. Das mit der Notwehr ist ein sehr interessanter Gedanke, den ich bisher nie hatte. Vielleicht tut sich hier eine Brücke auf?..und glaube mir, ein Coming-Out wäre für mich eine Ehrensache, wenn mir nicht dieser Verlust (Frau und v.a. auch Kinder) garantiert wäre. Ich kenne meine Frau und ihre Einstellung hier nun zur genüge. Ich bin überhaupt kein Freund von Heimlichkeiten. Daher ist es ja für mich auch so schwierig, eine heimliche Freundschaft zu leben.

Nach langem Prozess kann ich mir selber eingestehen, dass ich bi bin und würde es auch vor den Menschen tun. Aber meine Familie kann ich eben einfach nicht aufs Spiel setzen. Nicht zuletzt spüre ich die Verantwortung für die Kinder - wenigstens jetzt. »

Brauche dringend Rat

miezi2410, Sonntag, 13. Februar 2011, 16:17 (vor 2413 Tagen) @ Zauderer

hallo du..............
ich denke,wenn es wirklich so ist,dass du dich in keinster art und weise deiner frau anvertrauen kannst,musst du die entscheidung, lieber auf den sex verzichten oder heimlichen sex und damit ein heftigst nagendes schlechtes gewissen zu haben,für dich selber treffen.das kann dir keiner abnehmen.
betrug ist es in jedem falle,wenn zu deine frau hintergehst.
wir jedenfalls sind froh,dass wir uns nicht belügen müssen.sehr sogar.
ein schlechtes gewissen leben zu müssen,wär für uns nicht vorstellbar.das macht auf dauer krank.
lg

Liebe Forumsmitglieder

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich dringend (!) Rat brauche.
Zunächst muss ich etwas ausholen:

Ich bin mitte 40, männlich, verheiratet (glücklich) und Vater von mehreren
Kindern.
Vor etwas 10 Jahren wurde mir - recht unvermutet und sehr heftig - klar,
dass ich bisexuell bin. Bis dahin war ich mir nie ganz sicher gewesen.
Dann aber hat es mich richtig gepackt. Ungeahnte Gefühle und Bedürfnisse
sind in mir in einer sehr mächtigen Weise wach geworden. Ich musste dies
aber alles verstecken. Dies insbesondere deshalb, weil ich meine Familie
sehr liebe und mir eindeutig klar war und immer noch ist, meine Frau
könnte mit meiner bisexuellen Veranlagung nicht umgehen und würde
bisexuelle Kontakte meinerseits nie und nimmer akzeptieren - in keinem
Fall. Ich würde alles verlieren. Nun, manchmal liess mich meine Neigung
wieder über längere Zeiträume in Ruhe, dann schüttelte sie mich monatelang
gewaltig durch. Ich habe sie aber nie real ausgelebt. War höchstens im
Internet an entsprechenden Orten unterwegs, habe geträumt. Zuweilen konnte
ich tagelang an kaum was anderes denken etc. In der Phantasie habe ich mir
gedacht: Wenn da vielleicht in meiner näheren Umgebung ein anderer
verheirateter Mann wäre, dem es gleich geht wie mir, der auch auf absolute
Diskretion vertrauen muss, ja, dann würde es vielleicht gehen. Ich dachte:
Vielleicht treffe ich einen Mann mit dem ich eine gute Freundschaft
aufbauen kann, die offen ist und dann würden wir noch ein kleines
Geheimnis teilen, das nur wir kennen. Aber kein solcher war da...bis vor
wenigen Wochen. Ich habe ihn im Internet kennengelernt. Unsere Situationen
sind sehr ähnlich. Schliesslich fasste ich mir ein Herz und habe ihn
getroffen. Er war mir sogleich unglaublich sympathisch, und ich ihm auch.
Wir konnten über alles reden, lachen etc. Wir finden uns auch äusserlich
attraktiv. Wir haben es eigentlich offen gelassen, wie es weiter gehen
soll. Wir haben uns einfach gesagt, mal sehen. Freunde sollen wir werden,
den Rest dann mal sich entwickeln lassen. Ich war in den Ferien und da -
in der Ruhe - hat mich die Angst mit dem Zweifel gepackt. Nein, ich kann
doch kein Doppelleben führen, das geht nicht, sagte meine innere Stimme.
Nach meinen Ferien habe ich es ihm mitgeteilt, dass ich ihn unglaublich
gerne habe, aber bestehendes nicht riskieren kann und daher stoppen muss.
Natürlich hat er sehr enttäuscht reagiert. Er ist sich auch etwas
"vorgeführt" vorgekommen. Er hat mich beschworen, es mir nochmals zu
überlegen. Er zeigt mir auf, dass dieses ständige Unterdrücken mich
schliesslich auch kaputt machen würde. Ich habe mich auch geschämt, dass
ich nicht fair zu ihm war. Und hier bin ich nun, hin- und hergerissen,
verwirrt. In meiner Idealwelt spräche alles dafür, Familie und Frau zu
behalten und daneben mit diesem Mann gelegentlich das zu geniessen,
wonach es mich schon so lange so stark drängt. In meiner nüchternen Welt
aber stehen die grossen Warnsignale. Ich weiss echt nicht mehr weiter.
Vielleicht gibt es hier Menschen, die mir helfen können, den rechten Weg
zu finden. Einfach nochmals ganz klar: Jedes Coming-Out wird meine Ehe
beenden, darum kann ich diesen Weg nicht gehen.

Brauche dringend Rat

rudolf, Sonntag, 13. Februar 2011, 20:47 (vor 2412 Tagen) @ Zauderer

Verdrängen-Doppelleben-Coming Out habe ich alles durchlebt. Seit sechs Jahren leben wir oder ich in einer Art ménage à trois.
Jeder muss für sich die Entscheidungen treffen, wie er leben möchte. Nur dass ich alles durchleben musste, Innere Zerissenheit, Suizidgedanken hatte , Schuldgefühle ehe das erlösende Coming Out kam, soviel Angst ich auch davor hatte , es war erlösend weil es raus war. Das meine Frau noch zu mir steht empfinde ich als Wunder.Wir können über alles offen reden, auch zu dritt gibt es einige Freizeitaktivitäten.
Ich habe aber auch nicht so erfreuliche Geschichten gelesen.
Familienväter, Ehemänner, in der Mitte ihres Lebens, berichten davon wie sie ihre Ehen und Familien retten wollen und die Umbrüche verkraften oder auch nicht.
www.co30.de

Liebe Grüße Rudolf

Liebe Forumsmitglieder

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich dringend (!) Rat brauche.
Zunächst muss ich etwas ausholen:

Ich bin mitte 40, männlich, verheiratet (glücklich) und Vater von mehreren
Kindern.
Vor etwas 10 Jahren wurde mir - recht unvermutet und sehr heftig - klar,
dass ich bisexuell bin. Bis dahin war ich mir nie ganz sicher gewesen.
Dann aber hat es mich richtig gepackt. Ungeahnte Gefühle und Bedürfnisse
sind in mir in einer sehr mächtigen Weise wach geworden. Ich musste dies
aber alles verstecken. Dies insbesondere deshalb, weil ich meine Familie
sehr liebe und mir eindeutig klar war und immer noch ist, meine Frau
könnte mit meiner bisexuellen Veranlagung nicht umgehen und würde
bisexuelle Kontakte meinerseits nie und nimmer akzeptieren - in keinem
Fall. Ich würde alles verlieren. Nun, manchmal liess mich meine Neigung
wieder über längere Zeiträume in Ruhe, dann schüttelte sie mich monatelang
gewaltig durch. Ich habe sie aber nie real ausgelebt. War höchstens im
Internet an entsprechenden Orten unterwegs, habe geträumt. Zuweilen konnte
ich tagelang an kaum was anderes denken etc. In der Phantasie habe ich mir
gedacht: Wenn da vielleicht in meiner näheren Umgebung ein anderer
verheirateter Mann wäre, dem es gleich geht wie mir, der auch auf absolute
Diskretion vertrauen muss, ja, dann würde es vielleicht gehen. Ich dachte:
Vielleicht treffe ich einen Mann mit dem ich eine gute Freundschaft
aufbauen kann, die offen ist und dann würden wir noch ein kleines
Geheimnis teilen, das nur wir kennen. Aber kein solcher war da...bis vor
wenigen Wochen. Ich habe ihn im Internet kennengelernt. Unsere Situationen
sind sehr ähnlich. Schliesslich fasste ich mir ein Herz und habe ihn
getroffen. Er war mir sogleich unglaublich sympathisch, und ich ihm auch.
Wir konnten über alles reden, lachen etc. Wir finden uns auch äusserlich
attraktiv. Wir haben es eigentlich offen gelassen, wie es weiter gehen
soll. Wir haben uns einfach gesagt, mal sehen. Freunde sollen wir werden,
den Rest dann mal sich entwickeln lassen. Ich war in den Ferien und da -
in der Ruhe - hat mich die Angst mit dem Zweifel gepackt. Nein, ich kann
doch kein Doppelleben führen, das geht nicht, sagte meine innere Stimme.
Nach meinen Ferien habe ich es ihm mitgeteilt, dass ich ihn unglaublich
gerne habe, aber bestehendes nicht riskieren kann und daher stoppen muss.
Natürlich hat er sehr enttäuscht reagiert. Er ist sich auch etwas
"vorgeführt" vorgekommen. Er hat mich beschworen, es mir nochmals zu
überlegen. Er zeigt mir auf, dass dieses ständige Unterdrücken mich
schliesslich auch kaputt machen würde. Ich habe mich auch geschämt, dass
ich nicht fair zu ihm war. Und hier bin ich nun, hin- und hergerissen,
verwirrt. In meiner Idealwelt spräche alles dafür, Familie und Frau zu
behalten und daneben mit diesem Mann gelegentlich das zu geniessen,
wonach es mich schon so lange so stark drängt. In meiner nüchternen Welt
aber stehen die grossen Warnsignale. Ich weiss echt nicht mehr weiter.
Vielleicht gibt es hier Menschen, die mir helfen können, den rechten Weg
zu finden. Einfach nochmals ganz klar: Jedes Coming-Out wird meine Ehe
beenden, darum kann ich diesen Weg nicht gehen.

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