Es ist so schwer bisexuell zu sein (Lust und Erotik)

sgold @, Dienstag, 07. April 2015, 16:26 (vor 960 Tagen)

Ich bin Mitte 40, männlich, in zweiter Ehe (eigentlich) glücklich verheiratet. Ich habe eine erwachsene Tochter und arbeite selbstständig in meinem Traumjob. Wir wohnen in einer schönen Eigentumswohnung und dank einer Erbschaft haben wir sogar ein hübsches Ferienhäuschen im Süden. Es gibt so viele Gründe glücklich zu sein und doch fühle ich in mir eine ewig währende Leere.

Seit meiner Jugend und den ersten bisexuellen erotischen Phantasien ist mir klar, dass ich mich - zumindest sexuell - zu beiden Geschlechtern hingezogen fühle. Ausgelebt habe ich meine Bisexualität allerdings nie. Stattdessen habe ich immer nur Beziehungen zu Frauen gehabt. Sie sprechen mich emotional und intellektuell mehr an und nur mit Ihnen kann ich mir ein Zusammenleben vorstellen. Das empfinde ich nicht als “gezwungen”, das entspricht meinem Naturell, das eben mehr zu Frauen tendiert. Sexuell habe ich allerdings auch ausgeprägte (und dank der allgegenwärtigen Pornografie im Internet grafische) Fantasien, mit Männern Sex zu haben. So wie ich gerne bei Frauen (im Bett) aktiv und vielleicht sogar ein wenig dominant sein kann, so sehnt sich ein Teil von mir, Sex mit einem Mann passiv (oder sogar leicht devot) zu erleben. Ein offenes Ausleben beider Facetten meiner Sexualität ist unmöglich (ich würde meine Frau verlieren), ein “Doppelleben”, das viele verheiratete Bi-Männer führen, ist eine schwere Entscheidung - und in der Realisierung nicht gerade einfach. Die Suche nach einem geeigneten (Sex-)Partner ist schwer. Es gibt viele Bi-Männer wie mich, die einen aktiven, diskreten Partner “nur für das eine” suchen; entsprechende Anzeigen, die ich sporadisch immer wieder schalte (zuletzt auch hier im Bine-Forum) bleiben ohne Resonanz (oder es melden sich offensichtliche Spinner). Mit über 40, völlig unerfahren und ungeoutet und dem Gegenteil einer Adonis-Figur ist man in der Gay Community vielleicht auch nicht die erste Wahl.

Ich habe die Vielschichtigkeit und teilweise auch die Widersprüchlichkeit meiner Persönlichkeit immer als Bereicherung empfunden. Sie definiert, was mich als Mensch ausmacht. In meiner Sexualität hingegen bleibe ich frustriert. Vermutlich für immer. Ich habe zu spät vor mir selbst zugegeben bisexuell zu sein und ich habe nie den Mut gefunden, dazu zu stehen und das offen auszuleben.

Warum ich das hier schreibe? Weil ich mal meinen Frust formulieren wollte, auch meine Trauer darüber, vielleicht auch, um anderen Mut zu machen, rechtzeitig ihre Sexualität anzuerkennen und zu erleben.

S.G.

Es ist so schwer bisexuell zu sein

Nico, Dienstag, 07. April 2015, 21:29 (vor 960 Tagen) @ sgold

Hallo, sgold,

ich habe deinen Beitrag gelesen und kann gut nachvollziehen, wie du fühlst - mir geht es ähnlich, nur dass ich eine Frau bin.

Ich glaube, dass es dir wirklich helfen würde, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, aber hier ist leider ziemlich wenig Resonanz. Wenn du magst, schau mal bei http://www.liebe-leben-leute.de/bi-forum vorbei, da bekommt man mehr Reaktionen. Ich bin auch dorthin gewechselt. Oder auch joyclub, Forum, schwul, bi, lesbisch

Liebe Grüße, Nico

Es ist so schwer bisexuell zu sein

sgold @, Mittwoch, 08. April 2015, 08:11 (vor 959 Tagen) @ Nico

Danke für Deine Antwort, danke für die mitfühlenden Worte und danke für die Links. Ich schaue demnächst mal rein.

Ja, vielleicht hast Du recht: Es könnte mir helfen, mit anderen darüber zu sprechen (bzw. mit anderen darüber zu schreiben). Auch wenn mir mein Körper und ein unmissverständliches Sehnen nach fremder, warmer Haut etwas ganz anderes ins Ohr flüstert.

Es ist so schwer bisexuell zu sein

bikaternrw @, Hagen/Westfalen, Freitag, 10. April 2015, 06:00 (vor 957 Tagen) @ sgold

Hallo sgold,

erstmal herzlich willkommen hier. Ich kann dich gut verstehen, ich habe auch 4 Ehejahre gebraucht, bis ich meiner Frau reinen Wein eingeschenkt habe.

Du schreibst, dass du eigentlich glücklich verheiratet bist. Und uneigentlich? Du reibst dich auf zwischen der Sehnsucht die du spürst, der Angst vor Entdeckung deiner Neigung und deiner Frau, die dich totsicher verlassen wird, wenn sie die Wahrheit erfährt.

Das du so nicht weitermachen willst, zeigt dein outing hier, wenn auch nur anonym und im I-Net, aber es ist ein erster Schritt. Und ja, reden hilft. Es nimmt den größten Druck, aber die Sehnsucht stillt es nicht.

Du schreibst: "Ich habe die Vielschichtigkeit und teilweise auch die Widersprüchlichkeit meiner Persönlichkeit immer als Bereicherung empfunden. Sie definiert, was mich als Mensch ausmacht." Richtig. Und wer sagt dir, dass deine Frau das nicht genauso sieht? Schließlich hat das einen Grund, das sie dich so liebt, wie du bist.

Aus eigener Erfahrung kann ich dir nur sagen, es wird der Tag kommen, an dem die Wahrheit auf dem Tisch liegt. Es ist nur an dir zu entscheiden, ob du diese Wahrheit deiner Frau bei Zeiten in einem Säftchen beibringst, oder ob sie eines Tages einfach davor steht.

Was dir vielleicht etwas Mut machen könnte, meine Frau und ich feiern dieses Jahr unsere Silberhochzeit.

Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und das du deinen Weg findest.

Der Kater

Es ist so schwer bisexuell zu sein

Maik, Freitag, 10. April 2015, 20:09 (vor 957 Tagen) @ sgold

Hallo,
Ich bin auch in Deinem Alter und kann viele Dinge die Du schreibst nachvollziehen. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann ist, was macht Dich so sicher, dass Deine Frau überhaupt kein Verständnis dafür hat?
Du bist anscheinend in einer Situation, in der Du es noch nicht richtig ausgelebt hast. Das gibt Dir doch die Chance Deine Frau von Deinen Gefühlen zu erzählen. Was wird Sie Dir vorwerfen? Ich denke viele verpassen diesen Zeitpunkt und leben es heimlich aus. Irgendwann kommt es dann zwangsläufig raus und der Ehepartner fühlt sich betrogen. Oft ist die Tatsache der Bisexualität nicht das Hauptproblem sondern der Vertrauensverlust.
Ich habe vielleicht großes Glück gehabt und meine Ehefrau zeigt sehr viel Verständnis. Wir sind nun 25 Jahre verheiratet und ich bin stolz auf die Toleranz meiner Frau.
Mit meiner Nachricht möchte ich Dir Mut machen doch noch einmal zu überlegen ob das Gespräch mit der Ehefrau nicht doch eine Lösung ist. Du kennst natürlich die Situation selber am besten.
Vielleicht hast Du aber auch die Gelegenheit zum BiNe Treffen nach Meschede zu kommen, falls noch Plätze frei werden. Dort hättest Du eine Plattform und könntest Dir sehr viel Rat holen und reden. Es würde sich auf jeden Fall für Dich lohnen.

Liebe Grüße und viel Erfolg.

Es ist so schwer bisexuell zu sein

sgold @, Sonntag, 12. April 2015, 09:49 (vor 955 Tagen) @ sgold

Lieber Maik, lieber Kater,

vielen Dank für eure Beiträge. Natürlich bin ich mir bewusst, dass meine Entscheidung mich nicht (vor meiner Frau oder gar meinem Umfeld) zu outen keineswegs ideal ist. Ich freue mich für euch, wenn ihr offen zu eurer Sexualität stehen könnt und eure Partnerin Verständnis dafür zeigt. Ihr müsst mir aber einfach glauben - ohne dass ich hier ins Detail gehe - dass meine Aussage stimmt: Ein Outing oder gar ein Outing und Ausleben meiner Bisexualität in irgendeiner Form (am ehesten wohl in einer "sexuellen Dauerfreundschaft" zu einem Bi-Mann?) ist keine Option. Nicht zum jetzigen Zeitpunkt in meinem Leben, nicht unter den derzeitigen Voraussetzungen. Und wenn ich abwäge, dann plädiere ich - bei aller Sehnsucht - für meine Frau.

Ich erwarte auch keine Lösung von euch. Ich glaub, ich wollte mich mal ausheulen. Ein bisschen Selbstmitleid in schriftlicher Form. Letzten Endes ist mir bewusst, dass ich das alles selbst in der Hand habe.

SG

Es ist so schwer bisexuell zu sein

Layla @, Sonntag, 12. April 2015, 15:26 (vor 955 Tagen) @ sgold

Lieber SG,

ich habe von den Gefühlen und Neigungen meines Mannes auf die brachiale Tour erfahren - so von heute auf morgen brach für mich eine Welt zusammen. Nach 25 Ehejahren war das Schlimmste, dass ich mich hintergangen und unterschätzt fand ...
Das ist mittlerweile fast zwei Jahre her und wir haben in dieser Zeit zueinander gefunden, lieben uns mehr als zuvor und leben offener und freier.

Was will ich dir damit sagen? Unterschätze deine Frau nicht!! Und letztendlich ist nur sie diejenige, der du dich öffnen solltest. Du musst mit deinen Gefühlen und Sehnsüchten ja nicht völlig in die Öffentlichkeit, die gesamte Familie usw. gehen.

Für dich: Wann immer du etwas in deinem Leben verbessern möchtest, gibt es nur einen einzigen Ort, wo das geschehen kann: in Dir.

Ich wünsche dir Stärke und Glück
Layla

Es ist so schwer bisexuell zu sein

sgold @, Montag, 13. April 2015, 11:39 (vor 954 Tagen) @ Layla

Liebe Layla,

vielen Dank für Deine offenen Worte. Sie haben mich tief berührt, weil wie mir noch einmal vor Augen geführt haben, wie verletzend es ist, wenn die Frau es "auf die brachiale Tour" erfährt. Das möchte ich für meine Frau unbedingt vermeiden, auch weil das unsere Ehe derzeit nicht aushalten würde und wir beide daran zerbrechen würde. Ich werde nachdenken müssen. Ich brauche Geduld und Ruhe, innere Stärke und Vertrauen. Alles Dinge, die mir im Moment nicht leicht fallen.

SG

Es ist so schwer bisexuell zu sein

bikaternrw @, Hagen/Westfalen, Dienstag, 14. April 2015, 09:32 (vor 953 Tagen) @ sgold

Hallo SG,

der Kater noch mal. Was du da schreibst, kommt mir wirklich erschreckend bekannt vor. Erlaube mir deshalb ein paar offene Worte. Du möchtest deine Frau schützen, aber wo vor? Vor der Wahrheit? Also, Hand auf's Herz und fröhlich weitergelogen? Du schreibst, das eure Ehe die Wahrheit nicht aushält, glaube mir, sie hält die Lügen nicht mehr aus. Du leidest und deine Frau spürt das. Wer leidet zieht sich zurück, antwortet ausweichend auf Fragen des Partners. Kommt dir das bekannt vor? Und die Erotik? Ist das wirklich noch wie vor ein paar Jahren? Höre deiner Frau zu. Sie stellt dir Fragen und sie hat ehrliche Antworten verdient.

Dir die Daumen drückend,
der Kater

Es ist so schwer bisexuell zu sein

Libertin @, Nürnberg, Freitag, 17. April 2015, 09:29 (vor 950 Tagen) @ sgold

Hallo sgold,

Je offener ihr darüber sprechen könnt um so besser.
Wenn Du mit dem verschweigen weiter machst, wirst Du bald krank werden.

Niemand kann etwas für seine Gefühle. Sie sind einfach da und ganz schwer zu beeinflussen.


Ich denke ein Gespräch über Deine Gefühle würde Euch eher zueinander bringen als trennen.

Mach Deine Frau zu Deiner Vertrauten.

Nur weil es immer noch Homophobie in unserer Gesellschaft gibt, musst Du Dich doch nicht verwirren lassen.


Jede/R ist für sich selbstverantwortlich und entscheidet wie sie / er leben möchte.

Auch Deine Frau wird nicht von jetzt auf gleich die Brocken hinschmeißen.


vielleicht würde es Dir helfen eine Bi Gruppe / Stammtisch ect. in Deiner Nähe zu finden um Dich mal live mit Menschen auszutauschen.

Nimm am besten Deine Frau gleich mit.
Dann versteht sie am Besten was es heißt bisexuell zu sein.


Sei Du selbst und werde glücklich!

Das wünscht Dir
Libertin

--
Ich finde alle sollten das tun was sie wirklich gerne machen, ohne jemandem zu schaden!

Es ist so schwer bisexuell zu sein

Layla @, Samstag, 18. April 2015, 13:02 (vor 949 Tagen) @ sgold

Hallo, noch einmal eine Meldung von mir.
Zunächst: Ich schließe mich den anderen Kommentaren unbedingt an.
Und eine Ergänzung:
Meine Formulierung, dass ich von den Gefühlen und Neigungen meines Mannes auf die brachiale Tour erfahren habe, bedeutet, dass ich es selber herausgefunden habe ... Und das war besonders schlimm, eben das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass der eigene Mann mir nicht vertraut hat und - auch das ist ein Aspekt, der nicht zu unterschätzen ist - ich habe mir Vorwürfe gemacht, dass ich das nicht schon früher gemerkt/gefühlt habe ... Schuldgefühle sind in so einer Situation auch kontraproduktiv.

Vielleicht findest du den Mut und die Gelegenheit, mit deiner Frau ins Gespräch zu kommen, deute nicht jede Bemerkung, die sie vielleicht irgendwann mal im Zusammenhang mit Bisexualität gemacht hat, als Ablehnung, oftmals ist es die bloße Unwissenheit und Unsicherheit.
Dann sei dir bewusst, dass du bei BiNe viele Menschen finden kannst, die ähnliches erlebt haben/erleben und die dir helfen ... So habe ich es jedenfalls erlebt!

Liebe Grüße
Layla

Es ist so schwer bisexuell zu sein

Nico, Samstag, 25. April 2015, 19:47 (vor 942 Tagen) @ sgold

Lieber sgold,

ich wollte mich auch noch mal melden, weil ich viel an dich und dein Gequältsein, das ich so gut kenne, denken muss.

Ich denke auch, wie so viele hier, dass du mit deiner Frau reden solltest. Vielleicht schätzt du sie ganz falsch ein, und es kommt durch deine Offenheit und dein Geständnis zu einem neuem Verständnis zwischen euch? Ich habe meinem Mann reinen Wein eingeschenkt, und er ist meine größte Hilfe und Stütze, wenn ich mal wieder seelisch am Boden bin durch meine Zerrissenheit, meine Angst, wohin mein Weg mich, uns führen wird.

Und da ich zunehmend das Gefühl habe, das größte Problem ist nicht, dass ich körperliche Gefühle für Frauen habe bzw. zu glauben habe (ich habe es 2 x ausprobiert und es hat mich kein bisschen erregt, mir gar nicht gefallen), sondern dass ich über einen so großen Teil meines Ich mit kaum jemandem reden kann, habe ich mich diese Woche entschieden, damit offener umzugehen. Meine Eltern und mein Bruder wissen schon seit Jahren, dass ich Angst habe, lesbisch zu sein, aber meine Eltern haben das vor 20 Jahren nicht schlimm gefunden, wohl aber jetzt, als verheiratete Frau und mehrfache Mutter. Da sich aus meinem Bekanntenkreis unendlich viele Paare in meinem Alter trennen, sagen meine Eltern immer, dass ich ihnen das nicht antun soll.So rede ich mit ihnen darüber nicht mehr, sie sind zu alt inzwischen. Sie wissen nur, wenn und warum es mir oft schlecht geht, aber mehr wollen sie darüber nicht wissen. Mit meinem Bruder könnte ich immer offen reden, seine Frau hatte vor ihm mehrere Frauenbeziehungen. Ich aber habe diese Woche einfach meinen beiden älteren Kindern reinen Wein eingeschenkt, sie waren zwar etwas schockiert, hatten aber eher Angst, dass wir uns trennen. Seit sie wissen, dass nicht so ist, ist das Thema für sie abgehakt und okay. Auch alten Freunden habe ich teilweise davon erzählt, nicht aber den Eltern der Freunde meiner Kinder oder Nachbarn, also jenen, die mir nicht nahestehen. Seitdem geht es mir so viel besser, ich habe seit Jahren nicht mehr eine so gute Zeit gehabt wie die letzten Tage.

Glaube mir, Offenheit kann sooo befreiend sein.

Ganz liebe Grüße, Nico

Es ist so schwer bisexuell zu sein

sgold @, Donnerstag, 09. Juli 2015, 10:30 (vor 867 Tagen) @ Nico

Deine Worte waren sehr ehrlich sehr bewegend.

Mein Weg ist vielleicht noch etwas steiniger. Ich habe vor einer Woche zum ersten Mal überhaupt vor einer Person 'real' ausgesprochen, dass ich bisexuell bin. Es war ein Gespräch mit einer Therapeutin - und ich habe schon verstanden, wie befreiend es ist, auszusprechen, wie man empfindet, in Worte zu fassen, was man empfindet. Ich habe mich selbst definiert. Das hat gut getan.

Wann ich das vor meiner Frau oder vor anderen tun kann, weiß ich nicht. Im Moment steht es nicht an.

Trotzdem Danke für Deine Worte.

Es ist so schwer bisexuell zu sein

funny, Samstag, 13. Juni 2015, 22:49 (vor 893 Tagen) @ sgold

Hallo S.G.

es ist kaum zu glauben, aber Dein Text hätte fast 1:1 von mir sein können. Habe mich gerade hier angemeldet, weil ich auch vor hatte mich mehr oder weniger auszuheulen.

Ich bin fast 40, eigentlich (wie Du) glücklich verheiratet, habe zwei tolle Kinder und eben auch eine tolle Frau. Ich hatte in meinem Leben zwar schon 3x mal was mit nem Mann ausprobiert, von daher kann ich mich ja im Gegensatz zu Dir glücklich schätzen, aber ich hatte noch nie eine Beziehung mit einem Mann, obwohl ich mir theoretisch auch eine vorstellen könnte. Aber genauso wie Du würde ich, wenn ich mich entscheiden müsste, für (m)eine Frau entscheiden. Ich bin so gesehen vielleicht ca. 40-45% bi.

Theoretisch bin ich auch in der besseren Position, dass meine Frau weiß, dass ich diese Neigung habe. Das musste ich Ihr gestehen, als Sie vor ca. 15 Jahren zufälligerweise Mails auf meinem Computer gefunden hatte. Mails, die im Austausch mit Internet-Foren (damals Newgroups) entstanden sind. Ich wusste auch damals schon nicht, wie ich mit meiner Bi-Neigung umgehen soll, da ich ja bereits schon damals mit meiner jetzigen Frau zusammen war. Sie war sehr enttäuscht, dass Sie es so herausfinden musste. Wir haben lange geredet und ich habe ihr sogar gesagt, dass ich diesen Teil auch ausleben will und es auch brauche. Aber letztendlich... rausgekommen ist dabei unterm Strich... nichts. Wir haben danach nie wieder darüber geredet und meine Frau hat es wohl einfach verdrängt...

Genauso wie Du muss ich mich wohl damit abfinden, dass es eben so ist wie es ist. Von diesen 3 Erfahrungen, die ich habe, habe ich 2 gehabt, während ich schon mit meiner Frau zusammen war. Und es war so toll, dass ich immer noch oft daran denke, wenn ich mit meinen bisexuellen Fantasien für mich alleine bin. (Ich denke eigentlich fast nur an Bi-Sex, weil ich ihn ja real nicht haben kann.) Während wir Sex hatten war mir bewusst, dass das wahrscheinlich das letzte mal sein würde, dass ich sowas erleben könnte. Und ich versuchte so viel davon für mich mitzunehmen wie ich konnte. Ich wollte einfach, dass es überhaupt nicht aufhört. Aber leider waren beide male so schnell vorbei. Nicht weil der Sex so schnell vorbei war, sondern die Erfahrung war einfach so schnell vorbei wie ein Urlaub vorbei ist. Und der dauert ja oft 14 Tage und nicht nur ein bis zwei Stunden. Naja, obwohl ich ein richtig schlechtes Gewissen meiner Freundin gegenüber hatte, hat es mir gut getan. Auch den Sex mit meiner Freundin (wie gesagt, jetzt Ehefrau) konnte ich wieder viel intensiver genießen und fühlen. Meine Freundin fragte mich damals was mit mir los war, denn ich war auf einmal wieder so leidenschaftlich. Mein letztes mal ist jetzt 10 Jahre her und ich halte es irgendwie einfach nicht aus, aber ich muss eben.

Neulich habe ich eine Serie geschaut, in der ein schwuler Mann eine Alibi-Beziehung mit einer Frau hat, weil er ein bekannter Schauspieler ist, und auf keinen Fall als schwul geoutet werden wollte. Eines Tages kam seine "Freundin" dann nach Hause und hat den richtigen Lebensgefährten des Schauspielers im Schalfzimmerbett zu Hause vorgefunden. Die Frau reagierte wie erwartet schockiert. Aber wie sich herausstellte, war sie einfach nur baff. Und dann sagte sie, dass das ja total super geil wäre. Ihr sehnlichster Wunsch würde gerade in Erfüllung gehen. Sex mit zwei Männern, die auch Sex untereinander haben. Und so ergab es sich, dass sie von nun an in einer Dreier-Beziehung lebten und eben zu dritt am morgen aus dem gleichen Bett aufstanden.
Warum erzähle ich das? Weil genau das auch mein sehnlichster Wunsch wäre!!! Wenn es noch einen Mann in unserem Leben gäbe, der genauso wie meine Frau und ich zu unserem gemeinsamen Leben dazu gehören würde, dann wäre ich überglücklich. Und das nicht nur, weil man dann beim Sex praktisch jede nur mögliche Kombination zu dritt machen könnte, sondern eben auch einfach so. Man könnte einfach alles zu dritt teilen, und man wäre auch nicht immer der einzige Ansprechpartner des anderen.

Aber leider wird das in diesem meinen Leben nie so kommen. Ich werde wohl einfach damit klar kommen müssen. So wie andere Menschen mit anderen Schicksalsschlägen klar kommen müssen. Wenn z.B. jemand sein Bein verliert, dann bekommt er es auch nie mehr zurück und muss sich den Rest seines Lebens mit dieser Behinderung abfinden. Es gibt keine auch nur annähernd befriedigende Lösung dafür. Und für Dein und mein Problem scheint es die leider auch nicht zu geben. :-(

Es ist irgendwie so sch..., dass einen das Leben und das Umfeld so im Griff haben kann, dass man einfach nicht auskommt. Ich weiß nur, dass ich, wenn es die Wiedergeburt geben sollte, mein nächstes Leben hoffentlich anders führen werde...

So, danke für's bis hier her lesen. Wenigstens jetzt gerade hat es gut getan, mich bei Euch auch ausheulen zu können.

Es ist so schwer bisexuell zu sein

ticooo @, Dienstag, 07. Juli 2015, 15:24 (vor 869 Tagen) @ sgold

stimmt...wirklich zum Heulen

Ich hab mal irgendwo nen Artikel gelesen von wegen: neue Liebe/Affäre, wie spielt der Ex da rein so in der Vorstellung von den beiden.
Männer stellen sich angeblich die Frage, ob sie im Bett mit dem Ex mithalten konnten...bei Frauen dagegen...hab ich vergessen ;-)) Warscheinlich mehr der Vertrauensaspekt...
Jeeedenfalls: wenn Du als Mann die Vorstellung hast, dass das Sexuelle sie eifersüchtig/fertigmachen würde...vielleicht ist das nur ne männliche Vorstellung...
Vielleicht fände sie es gar net so schlimm, weil Vertrauen und Liebe zwischen Euch ja immer noch besteht....
Na gut: zu theoretisch...ich kenne eine Frau, die, wenn wir denn zusammenkämen :-(...,
wahrscheinlich auch irgendwann trotzdem noch Sex mit ner Frau haben würde...
In der ersten Verliebtheitsphase würd mich das wahrscheinlich fertigmachen...aber ich würd es versuchen - später - zu akzeptieren...keine Ahnung, ob ich das hinkriegen würde........
Viel Glück

Es ist so schwer bisexuell zu sein

sgold @, Donnerstag, 09. Juli 2015, 10:40 (vor 867 Tagen) @ ticooo

Ich glaube, meine Ehe befindet sich gerade in einer schweren Krise. Gerade auf sexueller Ebene. Das ist uns beiden bewusst, aber meine Frau verdrängt das sehr erfolgreich - und ich habe aufgegeben. Es ist irgendwann würdelos. Und es tut höllisch weh.

Ich habe das Gefühl, dass ich meine Frau unendlich verletzen würde, wenn ich ihr jetzt offenbare, dass ich bisexuell bin und dass ich diese Neigung 'neben unserer Ehe' ausleben will.
Denn es wäre der einzige Sex, den ich hätte. Es würde sie fatal daran erinnern, dass sie endlich endlich endlich etwas tun muss (eine Therapie), um ihre Asexualität zu überwinden. Aber sie würde nur blockieren. Sich noch weiter verkriechen. Ich wäre jederzeit dazu bereit, mit ihr daran zu arbeiten - in einer Therapie, mit kleinen Schritten. Aber sie ist einfach noch nicht so weit. Jedes Mal, wenn wir darüber reden, bittet sie um Zeit, um Geduld, bricht in Tränen aus. Ihr jetzt meine Bisexualität zu gestehen, wäre ihr die Pistole auf die Brust zu setzen, während sie auf dem Boden liegt.

Das kann ich nicht. Das möchte ich nicht.

Es ist so schwer bisexuell zu sein

Juergen, Samstag, 18. Juli 2015, 21:21 (vor 858 Tagen) @ sgold

Hallo,

ich mische mich hier zum ersten Mal ein, will mich aber noch anmelden und mehr schreiben.

Ich sehe hier einen ähnlichen Fall, wie ich ihn erlebt habe. Ging zwar nicht um Bisex, aber um heimlichen Alkoholismus meiner langjährigen Partnerin. Ich hatte keine Ahnung und keine Erklärung für ihr Verhalten (total naiv).
Kurz gesagt: fast schon zu spät ist sie damit raus gerückt. Ohne den Druck "der Alte zieht wirklich aus!" hätte sie das nicht geschafft, hätte keine Therapie gemacht und wäre heute nicht schon einige Jahre trocken.
Manchmal braucht es schon etwas Druck, damit jemand bereit wird an den Problemen zu arbeiten. Ich denke das Problem deiner Frau ist tatsächlich das vorrangige Problem, das um so dringender angegangen werden muss. Zeig ihr immer deutlicher, dass du den Zustand so nicht ewig hinnehmen wirst. Das hat gar nix mit bi oder hetero zu tun, fast jeder Mensch sehnt sich auch nach körperlicher Liebe!
Also, ich würde mich an deiner Stelle jetzt vor ihr noch nicht outen, sondern sie dazu bringen ihr Problem mit dir oder ohne dich anzugehen.

Viel Erfolg
Juergen

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum