Klarheit (Lust und Erotik)

Freestyle, Ostfildern, Sonntag, 30. Oktober 2016, 19:22 (vor 385 Tagen)

Hallo,

Ich - männlich - inzwischen schon 48 Jahre jung werde mir einfach nicht klar über meine sexuelle Orientierung.
In meiner Pubertät gab es wenig Anzeichen, dass ich eventuell schwul sein könnte. Allerdings war ich vom Typ her schon etwas feminin.

Mit ca. 30 hatte ich meine erste längere Beziehung zu einer Frau und schon hier stellte ich mir beim Sex mit ihr manchmal als Geschlechtspartner einen Mann vor.
Mit 38 Jahren habe ich geheiratet, mit der es auch im Bett gut lief. Zuerst waren da keine homosexuellen Gedanken mehr, erst nach etwa 3 - 4 Jahren nahmen die schwulen Fantasien wieder zu.

Seit meiner Scheidung erregen mich Frauen sexuell kaum noch. Aber inzwischen kann ich die bi- bzw. homosexuellen Fantasien kaum noch unterdrücken und die Gedanken beschäftigen mich sehr stark.

Um meine Gedanken ordnen zu können brauche ich unbedingt Klarheit.

Klarheit

Anbi-HH, Dienstag, 01. November 2016, 06:49 (vor 384 Tagen) @ Freestyle

Über was brauchst du genau Klarheit? Da ich schon viele Jahre beim BiNe bin, kenne ich viele Bis. Die meisten haben eine Präferenz für ein Geschlecht ( ich z.B. ca. 70/30) und wenn sie monogam veranlagt sind,leben sie über lange Phasen nur einen Teil iherer Sexualität aus, aber nach jeder Trennung werden die Karten neu gemeischt. Warum wartest du nicht einfach ab, wohin dich dein Begehren führt und wenn sich ein passender PartnerIn findet, vieleicht sogar eine " Person dazwischen" ( nicht binär) um es noch zu komplizieren, dann führst du die Beziehung, die du willst. Für mich ist es noch etwas anders - ich definiere mich als bi und verbinde damit bestimmte Eigenschaften, was dazu führt, das ich nur noch Bis als Partner möchte, wenn möglich. Das Verständnis untereinander macht vieles einfacher.

Klarheit

Wolfgang ⌂ @, Bamberg, Sonntag, 06. November 2016, 13:17 (vor 379 Tagen) @ Freestyle

Vielen Menschen kommt ihre eigene Bisexualität paradox und unergründlich vor. Das kann beispielsweise dann eintreten, wenn sich die Sehnsüchte und Präferenzen im Laufe des Lebens ändern. Da entsteht dann leicht Chaos im Kopf und im Herzen – und natürlich auch der Wunsch nach Klarheit.
Mir ging es ähnlich wie dir. Erst mit 42 hatte ich die Klarheit, nach der ich so lange suchte. Seitdem bin ich mir ganz sicher: Ich bin bi und das ist gut und richtig. Dass es Phasen in meinem Leben gibt, in denen ich mich entweder stärker hetero oder eher schwul fühle, ist Teil meiner Bisexualität. Und seit mir klar ist, dass das damit verbundene gefühlsmäßige Hin und Her einfach zu mir gehört, kann ich entspannt damit umgehen.
Es ist wichtig herauszufinden, was man ist und welche Orientierung man hat. Aber wenn du nur grübelst, ohne dass du zu einem Ergebnis kommst, ist das verschenkte Lebenszeit. Deshalb solltest du versuchen, dein Coming Out möglichst bald abzuschließen. Denn erst dann wirst du entdecken, dass es ein wunderbares Geschenk ist, Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht zu lieben zu können.

Liebe Grüße


Wolli

Klarheit

Freestyle, Ostfildern, Sonntag, 06. November 2016, 17:32 (vor 379 Tagen) @ Wolfgang

Ich denke mal ich muss mich damit abfinden, beiden Geschlechter zu lieben und auch Sex mit ihnen zu haben. Dennoch überlegt man oft ob es richtig ist. Die einen sagen "ja es gehört zum Leben" und andere sagen, dass es eine Sache des Teufels sei, da es nicht zum Menschen als solches gehört.

Aber warum eigentlich? Hat es doch schon in der Antike Hinweise darauf gegeben, dass es die gleichgeschlechtliche Liebe gegeben hat.

Klar ist das kheute ein Tabuthema mehr, aber ist es wirklich egal? Wenn ich unter meinen Arbeitskollegen bin, werden darüber gerne Witze gemacht, egal ob es da über Bi's oder Homos geht.
Nicht auszudenken wenn diese wüßten dass ich auf beide Geschlechter stehe.

An meinem persönlichen Coming Out bin ich dran, öffentlich kann und will ich es nicht preisgeben. Dafür steht bei mir zuviel auf dem (beruflich wie auch privat) Spiel.
Wie schon geschrieben ist das hier wohl kein Tabuthema mehr, aber dennoch wird es von vielen verabscheut.

Klarheit

Wolfgang ⌂ @, Bamberg, Montag, 14. November 2016, 21:10 (vor 370 Tagen) @ Freestyle

Wenn Menschen in der Lage sind, Frauen und Männer gleichermaßen zu lieben, ist dabei der Teufel ganz sicher nicht im Spiel. Aber es gibt natürlich Heteros, Lesben und Schwule, die uns in ihrer bornierten Beschränktheit verteufeln, nur weil wir anders sind.
Wie gehen wir damit um? Wenn wir uns verstecken und uns selbst verleugnen, wird sich an dieser Intoleranz und den damit verbundenen subtilen Diskriminierungen nichts ändern können. Andererseits sind nur wenige von uns als Märtyrer geeignet. Als Einzelkämpfer fühlt man sich oft schwach und kaum dazu in der Lage, sich gegen diese dumpf-blöde Ablehnung zu wehren.
Gemeinsam sind wir weniger allein. Man muss sich nicht unbedingt politisch engagieren, oft hilft es schon, wenn man Menschen findet, die genauso empfinden wie man selbst. Das kann uns die Kraft geben zu erkennen, worauf es eigentlich ankommt: Wir sind, wie wir sind und so ist es gut und richtig.

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