Bin ich ...? (Unsortiert)

docmccoy, Sonntag, 23. April 2017, 19:09 (vor 210 Tagen)

Hallo,

offenbar eine nicht so selten gestellte Frage hier, daher möchte ich kurz meinen Fall schildern in der Hoffnung dass mir jemand dazu etwas sagen kann oder evtl. ähnliche Erfahrungen gemacht hat:

Ich bin ein schon etwas älterer Mann und war von der Orientierung her immer an Frauen interessiert, seltener kam es vor dass ich einen Mann attraktiv oder anziehend fand. Hört sich soweit sicher an wie eine 'normale' bisexuelle Orientierung.

Das seltsame ist, dass ich meine Leben lang keine Beziehung aufbauen konnte, weder zu Frauen, noch zu Männern. Im Umgang mit Frauen bin ich sehr gehemmt, empfinde aber oft eine starkes sexuelles Verlangen. Mit bisexuellen oder schwulen Männern fällt mir der Umgang leichter, allerdings empfinde ich dann kein besonderes Verlangen.

Unter diesem Widerspruch zwischen Orientierung und realen Möglichkeiten habe ich immer sehr gelitten.
Hat so etwas von euch schon jemand erlebt oder gehört? Ist es möglich dass eine unbewusste Verdrängung / mangelnde Akzeptanz einer Bi- oder Homosexualität so stark ist, dass man nicht mal Bedürfnisse in der Richtung entwickeln kann? Oder kann eine Hemmung im Umgang mit dem anderen Geschlecht so groß sein, dass man seine primäre Präferenz nicht ausleben kann?

Danke für Eure ehrliche Meinung,

Docmccoy

Bin ich ...?

Jens @, Rendsburg, Dienstag, 25. April 2017, 22:30 (vor 207 Tagen) @ docmccoy

Hi,

so unüblich scheint mir das nicht zu sein - bei meinen beiden langjährigen Beziehungen zu Frauen war immer eine gewisse innere Distanz, die sich jeweils im Nachhinein als sinnvoll erwiesen hat.

Baggern war noch nie mein Ding und allzu oft wird ein schüchterner Annäherungsversuch sehr vehement abgelehnt, bis hin zum beleidigenden Niedermachen - wahrscheinlich ein trainierter Reflex wegen der unsensiblen Baggerer, die kein Nein akzeptieren.

Ein weiterer Aspekt ist der Umgang mit der eigenen Sexualität - solange da unreflektiert alle Anzeichen für nicht-hetero ausgeblendet werden, akzeptiert man weder sich selbst noch alle anderen, bis hin zur kompletten Ablehnung aller nicht-Heteros.

In der LGBTQ-Community wird ein "Nein" ganz selbstverständlich akzeptiert und respektiert, dass ein "Nein Danke" ausreicht und trotzdem keine komplette Ablehnung bedeutet, nur dass (momentan) kein sexuelles Interesse besteht.

Dieser offene und erwachsene Umgang mit sich selbst und anderen macht BiNe und die BiNe-Treffen für mich so attraktiv - man kann sich entspannt fallen lassen, alles darf, nichts muss ;-)

Gruss
Jens

--
You can't out-sarcasm reality.

Bin ich ...?

Ganymed @, DA-DI, Donnerstag, 27. April 2017, 07:49 (vor 206 Tagen) @ Jens

Hallo Ihr beiden,

Ja, da ist was dran. Ich bin erst vor ein paar Monaten darauf gestoßen, dass ich bi sein muss. (Bin immerhin schon 52) Das war, als ich mein Leben Revue passieren ließ. Ich fand z.B. schon immer einige Männer sexuell sehr attraktiv. Konnte meine Freunde/Kameraden nicht verstehen, die auf nackte Frauen oder "Titten" standen. Ich suchte lange eine Freundin, hielt mich für hetero. War immer unglücklich verliebt. Wahrscheinlich "extra", da ich wohl immer auf Frauen stand, die mich per Körperhaltung schon ablehnten. Frauen, die auf mich standen, lehnte ich dann ab. Wäre ja auch zu einfach gewesen..
Die einzelnen Begegnungen mit Männern, lehnte ich aus Angst vor Homosexualität ab. So baute ich eine einseitige Scheuklappe auf, um meine eigene Homosexualität nicht wahrnehmen zu müssen.
Mit 29 hatte ich mich dann mit einer jungen Frau eingelassen. Die Beziehung ging schnell in die Brüche (ein Jahr). Danach eine Amerikanerin (ich war ja zeitlich begrenzt in den USA, daher konnte das zeitlich auch begrenzt werden. Beziehung lief ganz nett). Dann setzte ich mit 35 den Plan in die Tat um, eine Ehefrau zu finden. Das klappte, habe nun 2 Kinder und lebe spießig (Oberfläche).
Seit dem ich die Scheuklappe weg habe und die "große, weite Welt" sehe, merke ich, dass ich vor attraktiven Männern nicht mehr weglaufe, sondern auf sie interessiert zugehe. Das braucht weniger Energie!
Hier in der Bine habe ich auch jemanden getroffen. Wir tauschten uns aus, hatten sogar Sex. Siehe da, es gefiel mir! Ich fühle, dass ich diese Seite laufen lassen muss und brauche. Ich fühle mich sehr viel besser. Bin fröhlicher, ausgeglichener, gehe stärker in Kontakt. Bin sogar weicher und herzlicher zu meiner Frau. Fingernägel-Knabbern hat ein plötzliches Ende gefunden. Bin ganz geworden - und stolz darauf!

Liebe Grüße
Martin

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