Frage an Bi-Männer in fester monogamer Partnerschaft (Unsortiert)

Sommer @, Sonntag, 06. August 2017, 15:45 (vor 105 Tagen)

Liebe Bi-Männer,

meine Frage wendet sich an diejenigen von euch, die in einer festen Partnerschaft leben und sich (mit ihrem Partner) entschieden haben, keine Intimitäten mit anderen Menschen auszuleben. Ich weiß, dass es verschiedenste Beziehungsmodelle gibt (z.B. offene Beziehung; fester "Nebenpartner"; Polyamorie; gemeinsame Swinger; etc. etc.) - ich denke jeder sollte für sich die Form finden, die glücklich macht. Daher richtet sich meine Frage wirklich an diejenigen, die sich für eine monogame Partnerschaft entschieden haben:

Wenn ihr in einer festen Partnerschaft lebt, vermisst ihr dann nicht die Intimität/den Sex mit dem anderen Geschlecht als das eures Partners?
Mich würde besonders interessieren ob Bi-Männer, die mit einer Frau zusammen sind, Sex mit einem Mann vermissen. Aber auch gerne ob Bi-Männer, die mit einem Mann zusammen sind, den Sex mit einer Frau vermissen.

Wenn euch der Sex/die Intimität fehlt, ist es dann eher wie eine nicht (mehr) ausgelebte sexuelle Fantasie oder fühlt ihr euch, als ob euch so richtig etwas fehlt (und ihr vielleicht nur, weil euch eure aktuelle Beziehung so wichtig ist, darauf verzichtet)? Wie geht ihr damit um?

Ich danke euch sehr für eure Antworten!

Herzlichste Grüße
Sommer

Frage an Bi-Männer in fester monogamer Partnerschaft

Ganymed @, DA-DI, Montag, 07. August 2017, 11:46 (vor 104 Tagen) @ Sommer

Hallo Sommer,

Eine interessante Frage. Ich glaube, es sind die meisten bi-Männer, die ihr Bedürfnis geheim ausleben. So lange ich abgelenkt war durch das Aufwachsen meiner Kinder, und meine Frau mir Liebe und Zärtlichkeit geben konnte, war mein Bedürfnis nach Homosexualität nicht groß. Es war lediglich ein wenig Neugier vorhanden, und eine gewisse Spannung und Kribbeln bei attraktiven Männern. Das war es schon immer. Mein ganzes Leben lang, seit ich etwa 13 war.
Das hat sich geändert, als ich für mich definierte, dass dies ja die Anzeichen von Bisexualität sind und ich über die BiNe Kontakte suchte, weil ich mehr wissen wollte und auch jemanden fand.
Ich entdeckte dann, dass es diese Zärtlichkeit war, diese Seite, die ich schon immer vermisste und die mir so unsäglich gut tut. Ich mag ihn total gern. Wie lange das nun gehen wird ist mir unklar. Ich treffe mich selten mit ihm, wenn, dann ist es feurig, interessant geradezu märchenhaft und liebevoll. Und es entwickelt und ändert sich. Eine Entdeckung, die ich für mein Leben nicht missen wollte. Es geht mir eigentlich nicht initial um Sex, sondern um die Nähe, die Zärtlichkeit mit einem gleichgeschlechtlichen Partner. Ich bin dafür sehr dankbar. Mein Partner und ich auch denken sogar, dass der Sex mit einer Frau sogar besser und schöner ist. Dennoch ist die Andersartigkeit so interessant und man will es ausprobieren und einige Facetten auch beibehalten.

Mein Coming-Out ist verschoben, da ich Angst habe, ansonsten übermäßig kontrolliert zu werden. Diese seltenen Treffen nun aufzugeben würde mich traurig machen. So bin ich voller Elan und glücklich. Es ist eben die "andere Seite", die nun auch angesprochen ist. Das komplettiert mich.

Liebe Grüße

Frage an Bi-Männer in fester monogamer Partnerschaft

Sommer @, Dienstag, 08. August 2017, 10:22 (vor 103 Tagen) @ Ganymed

Lieber Ganymed,

ich danke dir von Herzen für deine Antwort!
Es ist sehr bewegend für mich zu lesen, dass es (zumindest bei dir) nicht vorwiegend nur um Sex geht, sondern um diese andere Intimität, die zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen statt finden kann.
Du scheinst ja leider nicht offen zu dieser Seite an dir stehen zu können und musst es daher heimlich ausleben. Ich wünsche dir von Herzen, dass du und deine Frau eine gemeinsame Lösung finden.
Dennoch freut es mich auch zu lesen, dass du dich nicht die ganzen Jahre über verstellen musstest und es nur eine Neugier war (zumindest interpretiere ich deine Antwort so). Ich fände den Gedanken schrecklich, wenn du die ganzen Jahre mit den Kindern etc., dich selbst immer verleugnen und darunter leiden müsstest.


Ich selbst versuche gerade zu verstehen was meinen Mann zu Männern hinzieht. Wenn ich ihn mit seinen Freunden sehe und das mit meinen Freudinnen vergleiche, dann wage ich zu behaupten, dass Männerfreundschaften einfach ein ganz anderes Level haben als (viele) Frauenfreundschaften. Enger, intimer, offener, umkomplizierter. Ich möchte ihn gerne auf seinem Weg begleiten und ihn in seiner Ganzheit lieben. Gleichzeitig weiß ich aber noch nicht wie ich damit umgehen soll. Ich weiß auch, dass meine Verlustangst um ihn tief in mir liegt ("Danke" ans Kindheitstrauma) und nicht direkt etwas mit ihm zu tun hat. Dennoch kann ich mich (noch) nicht von dem Gedanken einer exklusiven, monogamen Partnerschaft lösen.
Daher weiß ich nicht, ob unserer Beziehung es überstehen wird, wenn er diese Seite an sich ausleben möchte und die Neugier mit Realität füllen. Und daher verstehe ich auch deine Sorge vor einem Coming-Out. Trotzdem empfehle ich immer Wahrheit und Ehrlichkeit - dir selbst gegenüber und deiner Partnerin. Ich bin fest davon überzeugt, dass echte Liebe verschiedenste Formen haben kann und eine Partnerschaft noch stärker werden kann. Es wird aber sicher kein leichter Weg werden, da jede Menge Selbstreflektion und Verständnis für die Gefühle des Anderen auf beiden Seiten nötig sind.

Herzlichen Dank noch einmal! Ich fände es sehr schön, wenn noch weitere (monogame) Männer erzählen würden, wie es für sie ist, sich auf eine Person festzulegen.

Alles Liebe
Sommer

Frage an Bi-Männer in fester monogamer Partnerschaft

Thommy ⌂ @, Bamberg, Dienstag, 15. August 2017, 13:06 (vor 96 Tagen) @ Sommer

Mit Mitte 20 glaubte ich ganz sicher zu sein: Ich hatte zwar ein paar schwule Erfahrungen gesammelt, aber ich war in eine Frau verliebt und wollte mich nur für sie entscheiden und mit ihr eine Familie gründen. Das tat ich dann auch und war zunächst sehr glücklich damit: Mir fehlte scheinbar nichts. Ich blieb natürlich weiterhin bi, aber ich lebte wie ein Hetero und war monogam.
Irgendwann stellte ich fest, dass ich so doch nicht leben kann. Meine schwule Seite machte sich immer stärker bemerkbar, ohne dass sich an Gefühlen gegenüber meiner Frau etwas geändert hätte. Aber mir wurde klar, dass ich meine bisexuelle Identität nur dann so richtig spüre, wenn es in meinem Leben auch tiefe Freundschaft, emotionale Bindung und Sex mit Männern gibt.
Dies zu erkennen und zu akzeptieren, war für mich schwierig und mit einer langen und teilweise quälenden Entwicklung verbunden. Noch schwieriger war es sicherlich für meine Frau, der es nach einigem Hin und Her gelungen ist; mich so zu akzeptieren wie ich bin. Gemeinsam haben wir es geschafft, trotz meiner Bisexualität in einer tiefgehenden und erfüllten Beziehung zusammenzubleiben.
Wie dein Mann wirklich ist und welche Bedürfnisse er hat, kann er nur selbst herausfinden. Ob ihr zusammenbleiben könnt, solltet ihr partnerschaftlich klären. So wie du über dich und deinen Mann schreibt, besteht wohl eine Chance für euch beide: Es scheint eine tiefe emotionale Bindung zwischen euch zu geben, die es euch ermöglichen kann, gemeinsam Perspektiven für eure Ehe zu entwickeln. Für dich ist dabei sicher wichtig, dass du deine Ängste klar zum Ausdruck bringst und die Grenzen setzt, die dein Mann nicht überschreiten darf. Und dein Mann müsste so offen mit dir umgehen, dass du ihm vertrauen kannst. Wie viel Offenheit im Detail erforderlich und gleichzeitig erträglich ist, solltet ihr unter euch abstimmen und festlegen.

Alles Gute


Thommy

Frage an Bi-Männer in fester monogamer Partnerschaft

tom_214 @, Heidelberg, Dienstag, 22. August 2017, 20:16 (vor 89 Tagen) @ Ganymed

@Ganymed

Toll erklärt! Dem ist nichts hinzuzufügen. LG

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